Kaum ein Großstädter würde wohl auf die Idee kommen, die Wohnung unabgesperrt zurückzulassen.

Weiterlesen

In memoriam – digitaler Nachlass

Es ist mittlerweile allgemein bekannt, wie wichtig und sinnvoll es ist, sich frühzeitig mit seinen persönlichsten Belangen zu beschäftigen. Neben den weltlichen Dingen, die man nach Möglichkeit seinen Liebsten äinterlassen möchte, wurde das Bewusstsein in mancherlei Hinsicht auch dahingehend geschärft, was mit seinem Körper, nach dem Ableben oder im Notfall geschehen soll.nde

Weiterlesen

Einmal mehr gab es eine gesetzliche Änderung über die Bestimmungen des Datenschutzes.

Neu ist insbesondere, dass es sich gemäß Art. 37 ff. Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) um eine EU-weite verbindliche Vorschrift handelt, keine Richtlinie, in deren Rahmen jeder EU-Mitgliedsstaat seine eigenen Gesetze erlassen kann. Hintergrund ist der Wunsch nach grenzübergreifender, die es theoretisch nicht mehr gibt, einheitlicher (Wettbewerbs-)Bedingungen, die man schwerlich erreichen kann.

Weiterlesen

Wanna Cry nutzte längst gefixte Sicherheitslücke in Windows

Die Computer mit älteren ungepatchten Microsoft Windows Versionen wurden von einer sogenannter Ransomware namens „Wanna Cry“ befallen, welche die Daten teilweise verschlüsselt und Lösegeld verlangt. Dabei wurde eine alte Sicherheitslücke ausgenutzt, die ursprünglich vom US-Abhördienst NSA entdeckt worden war, aber vor einigen Monaten von Hackern öffentlich gemacht wurde. Die Schwachstelle wurde zwar bereits im März grundsätzlich von Microsoft geschlossen – aber geschützt waren wie immer nur jene Systeme, auf denen das Update auch installiert wurde.

WannaCry?!

Der Name ist hier Programm! Am Freitag ist genau das eingetreten, was Experten schon seit langer Zeit prophezeit haben. Lediglich das Ausmaß hat überrascht!

Ein Cyberangriff nie dagewesenen Ausmaßes hat die Welt in Aufruhr versetzt. 

Es sollen über 200.000 Microsoft-Rechner in über 150 Ländern durch eine Schadsoftware lahmgelegt worden sein. Die Schadsoftware konnte angeblich auf Grund eines Exploits installiert werden, das ursprünglich der NSA dazu diente, an Informationen zu gelangen. Die dadurch entstandene Sicherheitslücke wurde zwar bereits im April erkannt und von Microsoft ein Sicherheitsupdate zur Verfügung gestellt. Allerdings wurde versäumt auf die Notwendigkeit, Dringlichkeit und die drohenden Folgen hinzuweisen, wenn das Update unterbleibt. Erschwerend kam hinzu, dass es für diverse ältere Windows-Versionen zunächst keine Sicherheitsupdates gab.

In Ermangelung ausreichender Information oder aus schlichter Nachlässigkeit, haben viele das Sicherheitsupdate nicht installiert

Für viele hat sich das als kapitaler Fehler herausgestellt. Ihre Webseiten wurden zunächst gesperrt. Anschließend hatten die Nutzer die Möglichkeit, gegen ein Entgelt in Höhe von ca. 300 € ihre Webseite und Daten wieder auszulösen. Ein zusätzliches Problem stellte die weitere Verbreitung dar. Infizierte Rechner haben den WannaCry Virus teilweise zusätzlich und selbstständig über ihre Email-Kontakte weiter verbreitet.

Das böse Erwachen wird für den Anfang der Woche erwartet, wenn diejenigen an ihre Rechner zurückkehren, die am Freitag schon ins Wochenende gestartet waren.

Rätselhaft ist natürlich auch, wer hinter diesem Hacker-Angriff steht. Von großen Wirtschaftsunternehmen, dem britischen Gesundheitswesen, russischen Behörden, Telekommunikationsunternehmen, einer Katastrophenschutzbehörde bis hin zur Deutschen Bahn waren vielerlei Betroffene zu verzeichnen. Vorerst gestoppt wurde diese Welle durch die zufällige Entdeckung des Sicherheitsnetzes der Hacker, einer unregistrierten Domain.

Ob Sie betroffen sind oder nicht, so sollten Sie auf jeden Fall das Sicherheitsupdate MS17-010 von Microsoft einspielen!!

Im Übrigen sollten Sie generell auf die Aktualität Ihrer Betriebssysteme achten! Im Übrigen gilt das auch für die Aktualität von Apps, auch für Ihr Handy! Wenn Sie die zur Verfügung gestellten Updates nicht durchführen, können auch harmlose Handy-Games zur Sicherheitslücke werden!

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (14 votes, average: 4,64 out of 5)
Loading...

Ein SSL-Sicherheitszertifikat (Secure Sockets Layer) ist nicht nur ein Schönheitsmerkmal auf Ihrer Website. Es kann Ihnen einige Vorteile bieten. Vor allem können Ihnen aber gravierende Nachteile entstehen. Das liegt zum einen an der Transparenz und dem vielseitigen Angebot des Internets und zum anderen spielt Google wieder eine entscheidende Rolle!

Weiterlesen

Homepage und Webseite. Wo ist der Unterschied? Oder welche Unterschiede bestehen zwischen Homepage, Webseite, Website?

Homepage, Webseite, Website. Worte die in Sachverständigengutachten und in Gerichtsakten oft verwechselt werden. Was ist richtig?
Weiterlesen

Stets, wenn im Laufe des letzten Jahres etwas passierte, hieß es, die Zahl der Straftaten in Deutschland sei gesunken.

In Folge jedes Gewaltverbrechens, ob leicht, schwer, besonders gefährlich oder sogar mit tödlichem Ausgang, war die Rede von Einzelfällen.
Auch eine überproportional hohe Beteiligung von Zuwanderern wurde stets verneint. Auf Grund der jüngst veröffentlichten Zahlen Bayerns und Deutschlands für das Jahr 2016, kann man sich nun selbst ein Bild machen.
Weiterlesen

Stellen Sie sich vor, Sie sehen sich Freitag Abend mit Ihrem Partner einen netten Film an, verbringen einen gemütlichen Abend zu Hause bei Popcorn & Co. und einige Tage oder Wochen später erhalten Sie einen bösen Brief mit der Bitte um Zahlung!

Popcorn? Welch treffliches Stichwort!

In der Flut von Streaming-Anbietern und Internet-TV kann man, insbesondere nach Abschaltung von dvb-t, schon einmal den Überblick verlieren, wann man sich noch und zumindest nach aktueller Rechtslage, im Rahmen der Legalität bewegt. Entgegen des ersten Anscheins, handelt es sich bei „Popcorn Time“ nicht um einen legalen Streaming-Anbieter: Streaming meint die bloße Nutzung eines online zur Verfügung gestellten Angebots in Form von Musik oder Film. Im Gegensatz zum Download.

Bei Popcorn lädt der Zuschauer den Film zunächst runter, dient aber zeitgleich auch als Server um den Film auch anderen Nutzern des Dienstes verfügbar zu machen. Letzteres ist das sehr viel größere Übel! Dadurch wird der Film weiter illegal verbreitet und anderen zur Verfügung gestellt! Ihr Server wird zum illegalen Filesharer!
Diese Art der Tauschbörse kann richtig teuer werden- auch wenn der User sich nicht bewusst war, dass er keinen legalen Streamingdienst nutzte! Ein gutes Indiz ist die Unentgeltlichkeit des Streamingdienstes. Misstrauisch sollte man immer sein, wenn man etwas installieren muss (Plugins) und insbesondere, wenn die angebotenen Filme noch im Kino zu sehen sind, bzw. dort neu anlaufen.

Im Übrigen ist es dann irrelevant, ob sie drei Sekunden oder den ganzen Film gesehen haben!

Das ist nur ein Beispiel der Streaming- und Filesharing-Problematik!

Der BGH musste sich jüngst mit dem Problem der Mehrfachnutzung eines Internetanschlusses im häuslichen Bereich befassen. Demnach haften Eltern nun doch für ihre Kinder, zumindest, wenn sie  ihre Sprösslinge nicht ans Messer liefern wollen! Wenn den Eltern derjenige Nutzer bekannt ist, der die Urheberrechtsverletzung begangen hat, müssen sie ihn, obwohl die Rechtsverletzung seitens des Klägers zu beweisen ist, den Namen des Nutzers bekannt geben. Es geht in diesem Fall nicht mehr darum, die Verletzung und den daraus entstandenen Schaden zu beweisen, sondern mussten die Eltern die Vermutung widerlegen, dass die unstrittig durch ihren Internetanschluss verursachte Verletzung durch sie begangen worden ist! Solange sie sich nicht entlasten können oder wollen, sind sie als Störer anzusehen.

Ein weiterer Störer-Fall stand höchstrichterlich zur Entscheidung.  Hier wurde zu Gunsten des Beklagten entschieden. Ein Nutzer hatte das individuelle Passwort auf seinem Router nicht abgeändert – laut BGH hat der Nutzer alles seinerseits erforderliche und ausreichende getan, seinen Internetanschluss vor unberechtigten Zugriffen zu schützen! Diese Passwörter werden individuell und einmalig vergeben und berücksichtigen alle Raffinessen der sicheren Passwortfindung hinsichtlich Länge, Groß- und Kleinschreibung, Zahlen-, Buchstaben- und Sonderzeichenkombination. Wenn dieses geknackt wird, kann es dem Anschlussinhaber nicht zum Vorwurf gemacht werden!

Eine weitere Problematik stellt sich, wer für einen zur Verfügung gestellten WLAN-Anschluss zur Verantwortung gezogen werden soll! Hier gilt im privaten Bereich, dass der WLAN-Inhaber nicht zur Verantwortung gezogen wird, wenn Gäste oder Mitbewohner den Anschluss rechtsmissbräuchlich nutzen und muss darauf nicht einmal hinweisen! So entschied der BGH.

Im gewerblichen Bereich, z.B. Internetcafés, ist seit Jahren im Gespräch, Anbieter öffentlicher Hotspots von der Störerhaftung zu befreien, derer sie gemäß § 1 Abs. 1 TMG unterliegen. Nach mehreren Versuchen wurde diesbezüglich in der letzten Woche ein Gesetz zur Nachbesserung eines WLAN-Gesetzes auf den Weg gebracht.

Bereits auf Grund eines Urteils des EuGH ist gewiss, dass Betreiber zwar nicht zur Verantwortung gezogen werden können, es ihnen aber zumutbar ist, Vorkehrungen zu treffen, die die rechtsmissbräuchliche Nutzung verhindern! Zudem waren zwar Schadensersatzansprüche gegen Betreiber ausgeschlossen, Abmahnungen hingegen nicht! Die Situation war lange Zeit unsicher und es wurde versucht, sich durch Registrierungen im WLAN aus der Verantwortung zu nehmen.

Nun soll das neue Gesetz endlich für Rechtssicherheit und Klarheit sorgen.
Bleiben wir also gespannt, was die Gesetzesnovelle bringen wird!

Sie sind in Sachen Filesharing abgemahnt worden?

Ich empfehle ihnen in Zusammenarbeit mit einem Anwalt ihrer Wahl die Unterlassungserklärung in abgeänderter Form abzugeben. Vor Gericht streitet man dann nur noch um die Abmahnkosten und über die Höhe des Ersatzanspruches. Ein guter Anwalt handelt meist außergerichtlich einen günstigen Preis mit der Gegenseite aus und man kann die Sache vergessen und wieder ruhig schlafen.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (17 votes, average: 4,88 out of 5)
Loading...

handy gestohlen imei nummer herausfinden

Handy gestohlen? Was dann? IMEI Nummer herausfinden!

Alle Jahre wieder, im Sommer mit dem Beginn der Biergarten- und Badesaison nehmen auch die Handy-Diebstähle zu. Was viele Bürger nicht wissen, ist die Tatsache, dass die Polizei bei vielen Personenkontrollen auch oft Handys- bzw. Smartphones kontrolliert und deren Seriennummer überprüft.

Weiterlesen

Es war die goldene Ära der Fotografie, als die Privatkamera in die Haushalte einzog und man mit Dienstleistungen rund um das Foto zur Branchengröße heranwachsen konnte. Es lief gut, ja, hervorragend. Die Fotografie und der Fotograf als Künstler und Handwerker waren gefragt, bis Ende der Neunziger auf einmal die digitale Fotografie die klassische analoge Technologie zu verdrängen begann und viele der klassischen Fotolabors schließen mussten. Es war die Zeit, in der das große Branchensterben einsetzte…

Mehr als zwanzig Jahre später erwischt es nun auch den eigentlichen Berufstätigen. Der Fotograf ringt ums Überleben. Sein Beruf wird erneut in Frage gestellt. Die Anforderungen sind hoch, der künstlerische Anspruch steigt oder sinkt, je nachdem, was gerade angesagt ist. Profis geben sich nicht nur untereinander das Gefecht, sondern müssen immer häufiger mit Amateuren konkurrieren.

Überhaupt hat sich die gesamte Branche nach dem Wegfall der Meisterpflicht grundlegend geändert. Das heißt einerseits, dass sich der Wettbewerb deutlich verschärft hat und andererseits, dass sich das Kundenverhalten extrem gewandelt hat. Viele meiner Kollegen und Profis kämpfen mit „Hobbyfotografen“ um Aufträge. Damit beginnt ein Kampf um die Lebenssubstanz und den Verdienst. Kunden verlangen zwar professionelle Arbeit, möchten die digitalen Bilddaten aber gerne „umsonst“, gespeichert auf dem USB-Stick. Die Postproduktion wird immer zeitintensiver, was zur Folge hat, dass der Ertrag sinkt.

Die Fotografie und die Kunst dahinter haben an Wert verloren. Dank Facebook, Instagram und den vielen anderen unzähligen Portalen ist unsere Gesellschaft, was Fotografie anbelangt, einfach übersättigt. Stattdessen wird der Narzissmus auf neuen Wegen gefördert. Das „Selfie“ wird immer mehr zur täglichen Selbstdarstellung genutzt, sichtbar für tausend fremde Augen. Wer etwas darstellen möchte, der zeigt sich. Er posiert, grinst, maskiert und verwandelt sich, setzt die eigene Visage Tag für Tag in Szene. Es gibt schöne Menschen, verrückte Menschen, groteske Fotos, Nacktbilder. Wer den täglichen Ablauf nicht mitmacht, ist abgeschrieben, gehört nicht dazu. Mit diesem Zeigen und Zeigen-Wollen hebt und senkt sich die eigene Laune.

Facebook bleibt natürlich ein Kontaktportal für News und Bilder. Ich öffne frühmorgens mit der Tasse frischen Kaffee in der Hand ganz gerne mein Facebook und sehe mir die einzelnen Gruppen, Fotos und Menschen an. Die Anzahl der gezeigten Fotos ist gewaltig und steigt weiter. Darunter gibt es durchaus Bilder, die – von der fotografischen und künstlerischen Seite betrachtet – einzigartig sind. Alle Fotos gibt es umsonst. Es ist möglich, sie herunterzuladen und sogar, wenn der Wunsch besteht, ein Poster zu drucken. Rechtlich ist das Ganze zwar immer noch in der Grauzone, aber praktisch gesehen jederzeit möglich.

Das Zeigen und Ansehen der Fotos ist eine Sache, die Werbung und Suche des Fotografen nach Models und fotogenen Menschen eine andere. So ist es keine Ausnahme, wenn der panische Hilferuf eines Hobbyfotografen ertönt, der nachfragt, ob nicht ein Model auf TFP* Basis bereit wäre, zuhause (in seinem Wohnzimmer, in seiner Küche oder in seinem Hobbystudio) Fotos mit ihm zu machen. Fast zeitgleich erfolgen die Antworten und Reaktionen. Natürlich finden sich im Internet tausende sogenannter Models, die sich nur zu gerne kostenfrei ablichten lassen würden.

Dazwischen gibt es dann noch eine Handvoll Fotografen, die weiterhin versuchen, professionell zu arbeiten. Das bedeutet auch, dass das Foto nicht umsonst ist.

Oft frage ich mich, wie es mit der Branche weitergeht und wie sich die Foto- und Modelbranche im nächsten Jahrzehnt entwickeln wird. Das, was schon jetzt absehbar ist, erschreckt mich teilweise.

Nicht nur gehen die Qualität und die Professionalität verloren, es öffnen sich ganz neue Bereiche, die von Billigpreisen bis zu kostenlosen Angeboten reichen und damit auch neue Gefahrenquellen offenbaren. Ein Hobbyfotograf nutzt nicht selten die Gier und Eitelkeit hübscher Mädchen, um sich zu profilieren oder um zu flirten (und das dann mit eher fragwürdigem Ausgang). Das professionelle Model wiederum wird durch Menschen ersetzt, die vorderhand ihre Eitelkeit feiern, häufig auch ohne die notwendigen Voraussetzungen mitzubringen.

Wie immer schreibe ich offen und ehrlich und wie immer nehme ich auch kein Blatt vor den Mund, wenn es um eine Branche geht, zu der ich seit über dreißig Jahren gehöre und in der ich mich zeitweise auch sehr wohl gefühlt habe.

Kommt jetzt etwa die Abrechnung mit dem Hobbyfotografen?

Nein.

In Zeiten von Photoshop und billigen Frauen, die sich sehr gerne umsonst ausziehen, ist es nicht der Hobbyfotograf, der sein Fett abbekommt. Es ist auch gar nicht so sehr das „Selfie“, obwohl dieser Drang zur Selbstdarstellung den nächsten Grundstein auf das wacklige Gebilde der Dekadenz setzt. Nein, es ist die Veränderung der Gesellschaft an sich, dich ich hinterfrage, das Feiern der Eitelkeit und die allgemeine Psychologie der Menschen, die mich mehr und mehr verwundert.

Es ist wahr! Wir haben die Generation ‚Germanys next Topmodel’, gefolgt von der nächsten Generation: ‚Ich will so schön sein, wie die Topmodels auf dieser Welt’.

Der Wunsch wird dringender und dringender, begleitet durch den Zwang, so viele Follower auf Facebook und Instagram zu sammeln, wie es die eigene Selbstdarstellung ermöglicht. Dafür wird ein Hobbyfotograf nach dem anderen „absorbiert“, um die Sucht nach neuem Material zu befriedigen. Das Selbstvertrauen wächst mit den „Likes“.

Diese Models arbeiten nicht für Geld. Sie lassen sich umsonst ablichten. Ebenso freut sich der Hobbyfotograf, dass er endlich einmal ein einigermaßen gutaussehendes Model vor der Kamera stehen hat. Und was nicht ganz so schön aussieht, kann schließlich nachbearbeitet werden. Photoshop sei Dank.

Das Foto steht. Beide reiben sich die Hände. Der  Fotograf postet, das angebliche Model postet, und nun gilt es, abzuwarten. Das Bild wird auf Facebook, Instagram, Twitter, Viewbug und allen anderen Plattformen gezeigt, ist Foto des Tages, trifft auf etliche Blicke. Gespannt wartet man, wie viele „Likes“ es erhält, wie die Reaktionen sind. Man setzt Kommentare, Erfolg und Applaus voraus.

Mit der ansteigenden Zahl der „Likes“ bläht sich auch der Narzissmus auf und wird mit Endorphinen genährt. Mit wenigen Reaktionen dagegen ist das Leben erst einmal zerstört. Die Menschen haben keinen Geschmack, sind dumm und ignorant, sehen die innere Schönheit nicht. Es folgt Erklärung über Erklärung. Das nächste Bild muss her. Und so setzt sich das Ganze fort. Up and down. Hochjubelnd und zu Tode betrübt.

Und was steckt hinter all dem? Wir sind dopaminsüchtig und leben an der Grenze. Die ganze Persönlichkeit hängt von der virtuellen Selbstdarstellung ab. Das gilt für beide, das Model und den Fotografen, auch dann noch, wenn das Bild mit der Wirklichkeit im Grunde nicht mehr übereinstimmt und jemanden anderen zeigt. Das kann so weit führen, dass Menschen die eigenen körperlichen Voraussetzungen falsch einschätzen oder ganz und gar leugnen.

Mit dem Erfolg auf Plattformen wachsen der Stolz und die Selbstüberschätzung. Dafür ist eine tatsächliche Ausstrahlung nicht mehr notwendig. Sie kann schließlich jederzeit in Photoshop ganz neu kreiert werden.

Die Cellulite wird einfach wegretuschiert und der Schokoladenbauch mit dem „Verflüssiger“- Werkzeug reingedrückt; so spart sich der Hobbyfotograf auch die Zeit, dem Model erst einmal grundlegende Dinge zu erklären, wie z.B. Körperspannung und das Posing. Er macht einfach tausend Bilder, aus denen das eine herausgefiltert wird, das dann für Instagram in Frage kommt und zurechtbearbeitet wird. Es macht sowieso nichts aus, denn am nächsten Tag ist es längst vergessen und wird durch ein aktuelles Bild ersetzt.

Natürlich müssen so die Einzigartigkeit und das Außergewöhnliche der Fotografie verloren gehen. Ausstrahlung, Persönlichkeit und Schönheit bleiben aber dennoch das A und O der Model-Branche. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Ein richtiges Model bietet die natürliche Schönheit oder das gewisse Etwas. Es verfügt sowohl über den schönen Körper als auch über die benötigte Ausstrahlung, so dass eine Nachbearbeitung des Fotos unnötig ist. Deshalb gibt es den Beruf und deshalb konnte er sich so lange halten. Daher taugen einige Menschen zum Model und die meisten nicht. Schönheit ist zwar eine Frage des Geschmacks, des Ideals und der eigenen Vorlieben, dennoch wirkt das verfälschte Bild wie die billige Kopie und hat mit dem wirklichen Menschen nichts gemein.

Es bleibt eine Sucht, sich ständig zu präsentieren, und diese Sucht hat auch ihre Folgen. Die Modelagenturen, die Berufsfotografen und die Berufsmodels stehen vor einem Wandel. Die Branche hat sich in den vergangenen Monaten derartig schnell verändert, dass es alle hart trifft.

Viele meiner Kollegen in der Fotografie waren in den vergangenen Jahren gezwungen, ihr Studio aufzugeben oder sich mit anderen Fotografen (teils auch Hobbyfotografen) zusammen zu tun, um die hohen Mieten weiter erwirtschaften zu können. Plötzlich zog es den Großteil der Fotografen in den Bereich ‚Hochzeitsfotografie’, da dieser bis vor wenigen Monaten noch am Gewinnbringendsten war. Die Hochzeit bleibt ein Ereignis, das gefeiert wird. Viele wünschen sich den Profifotografen, damit der Tag im Gedächtnis bleibt. Zumindest war das bis vor kurzem noch so.

Auch hier hat sich der Wandel vollzogen, als die ‚Selfies’ nun auch in den Kirchen einzogen, das iPhone 7plus nun endlich eine einzigartige Kamera hatte.  Wozu den Hochzeitsfotografen engagieren, wenn die Qualität des Bildes ganz in Ordnung ist?

Ein weiterer Zweig der Branche war die Produktfotografie. Wer konnte sich einen Ottokatalog ohne Fotos vorstellen? Wer kann sich in Zeiten von Amazon und Ebay überhaupt noch Kataloge vorstellen? Und so bezahlen dann die namhaften Hersteller keine 90 bis 300 EURO je Artikel mehr, nein, es gibt Angebote von 10 EURO und darunter.

Jeder, der etwas Ahnung von der Produktfotografie hat, wird sich nun die Frage stellen, wie man ein anständiges Produktfoto von einer Damenbluse für 10 EURO anbieten kann. Bügeln, den Torso anziehen, auspolstern, das Produkt abstecken, den Frontshot mit der Hasselblad freistellen, die richtige Beleuchtung arrangieren und dann abliefern? Das alles scheint kaum noch gefragt zu sein.

Stattdessen wechseln die letzten guten Produktfotografen in den nächsten Bereich, der noch etwas Geld einbringt, z. B. in den der Fotoreisen und Workshops. Das sind natürlich die Hartgesottenen. Viele haben auch ganz und gar aufgegeben und den Beruf gewechselt. Von irgendetwas muss man schließlich leben.

Das betrifft nicht nur die Fotobranche, auch das Milieu der Modelagenturen. Sie sterben aus, kämpfen den gleichen Kampf gegen die Windmühlen. Sie versuchen noch Geld mit jährlichen Gebühren aus den vom Modeltraum gebeutelten Möchtegern-Photoshop-Modellen herauszupressen, was aber dank Modelkartei, Facebook und anderen kostenfreien Portalen nicht mehr finanzierbar ist. Und was nützt es auch, in einer Agentur gelistet zu sein, wenn man nicht vermittelt wird?

Die Folge ist klar nachzuvollziehen. Menschen, die tatsächlich schön aussehen, die keine Bildbearbeitung benötigen, sind nicht mehr gefragt, erhalten keine Aufträge und werden nicht gefördert. Sie werden weder von Agenturen aufgelistet, noch von Auftraggebern gebucht.

All das kostet Geld. Man könnte fast sagen: Geld, das keiner mehr hat.

Und weiter wird damit der  Zwischenbereich der Amateur-Welt genährt. Hobbyfotografen und Möchtegern-Models reichen sich die Hand. Dass dabei die Qualität leidet und ganze Branchen den Bach runtergehen, interessiert nicht. Schon gar nicht die, die einer Sucht frönen.

Meine Meinung dazu ist verständlich und simpel. Ich vertrete die Ansicht, dass sich Fotomodel nennen darf, wer in der realen Welt wunderbar und einzigartig aussieht, Ausstrahlung hat und keine Bildbearbeitung erfordert. Ebenso darf sich nur Fotograf nennen, wer mit seiner Fotografie Geld verdienen möchte, Kunst und Qualität liefert und dies auch kostendeckend erfolgreich betreibt. Eine Modelagentur wiederum vermittelt Fotomodelle und darf sich als eine solche nur dann bezeichnen, wenn echte Modelle erfolgreich vermittelt werden können.

(*TFP = Time for Print, also ohne finanzielle Gegenleistung)

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (34 votes, average: 4,97 out of 5)
Loading...