Die Konstrukteure: Die Unwahrscheinlichkeit des spontanen Lebens
Über Glauben, seine blutige Geschichte, die mathematische Unmöglichkeit eines Universums das sich selbst zufällig erschuf, und die extraterrestrischen Architekten über die in der seriösen Wissenschaft niemand sprechen darf
Es gibt Menschen, die mich ausschließlich von der Außenseite kennen. Von der harten Schale. Vom Forensiker, der ohne Sentiment seziert, der sagt was er denkt, und der in dreißig Jahren Arbeit vor Gericht und in Ermittlungsräumen gelernt hat, dass Unbequemlichkeit kein Argument gegen Wahrheit ist. Diese Menschen, wenn sie diesen Text lesen, werden überrascht sein, vielleicht sogar erschüttert, weil was hier folgt, das Persönlichste ist, was ich je öffentlich geschrieben habe, nach Jahrzehnten in denen es in mir gesessen hat, sich verdichtet hat, eine Form angenommen hat, die ich erst für mich selbst benennen musste, bevor ich sie für andere benennen konnte.
Die Wenigen aber, die durch die Schale hindurchgekommen sind und den Menschen dahinter getroffen haben, werden jeden Satz wiedererkennen. Die Ärzte unter ihnen, die Wissenschaftler, manche meiner engsten Freunde, werden jetzt lächeln, weil sie wissen: genau so ist er. Genau das hat er schon gesagt, über dem Essen, spät in der Nacht, wenn das Gespräch endlich irgendwo ankam, wo es sich lohnte. Ich bin jemand, der die Wahrheit sagt, auch wenn sie wehtut. Nicht aus Sadismus, sondern weil Lüge durch Schweigen oder Beschönigung für mich eine Form von Feigheit ist, die ich nicht aufzubringen vermag.
Dieser Artikel wird Kritik auf sich ziehen. Sehr wahrscheinlich werden manche Menschen aufhören, ihn nach dem dritten Absatz zu lesen. Andere werden mir Unseriosität vorwerfen, Naivität, oder jene besonders beliebte Kategorie des Vorwurfs, die sagt: das kannst du als Wissenschaftler nicht vertreten. Ich kann es vertreten. Ich tue es. Und ich erkläre hier warum.
Was ein Zweijähriger erlebte und niemals vergaß
Meine Eltern waren arm. Nicht arm im romantischen Sinne von einfach leben, sondern arm auf eine Weise, die konkrete Entbehrung bedeutet, die Spuren hinterlässt, die man nicht durch Nostalgie übertünchen kann. Brotsuppe war ein Highlight. Fleisch auf dem Tisch war eine Seltenheit, keine Selbstverständlichkeit. Wir lebten in einer Sozialwohnung, zwei Zimmer, und Ausflüge waren rar, weshalb der eine Sommertag in einem Münchner Freibad mit meiner Mutter und Tante Linde mir umso vollständiger im Gedächtnis blieb, sicher auch deshalb, weil er der Tag war, an dem ich starb.
Ich war zwei Jahre alt, als ich in einem Münchner Freibad ertrank. Meine Mutter hat mir später gesagt, ich könne mich an nichts davon erinnern, das sei medizinisch nicht möglich, ein Kind in dem Alter könne so etwas nicht behalten. Sie hat sich geirrt. Ich erinnere mich an alles. Ich erinnere mich an den schwarzen Badeanzug meiner Mutter, mit großen weißen Punkten. Ich erinnere mich an Tante Linde, so nannten wir sie, in ihrem lila Badeanzug mit grünen und gelben Absätzen. Ich erinnere mich an Bilder, die so präzise sind, dass sie keine Rekonstruktion sein können, weil eine Rekonstruktion nicht die Farben erfindet, die niemand mir später beschrieben hat.
Was ich nicht weiß, ist die exakte Sequenz dessen, was passierte. Wie ich ins Wasser kam, wer mich herausholte, wie lange ich unter der Oberfläche war, all das ist mir nie erzählt worden, vermutlich aus jener Mischung aus Scham und Sprachlosigkeit, die jene Generation insgesamt prägte, wenn es um Dinge ging, die sich nicht in den Alltag fügten. Was ich weiß, ist das Während. Und das Während war Licht. Eine Wärme, die nicht der Wärme einer Sommersonne über einem Freibad ähnelte, sondern einer Wärme, die im Inneren entsteht und nach außen strahlt, eine Geborgenheit, wie sie ein Kind in einem ertrinkenden Körper nicht hätte fabrizieren können.
Es war schön.
Das ist das Wort, das mir bis heute am genauesten beschreibt, was ich damals erlebte. Schön. Nicht furchteinflößend, nicht ehrfurchtsvoll, nicht religiös aufgeladen, sondern still und schön und in einer Weise vertraut, die ein Kind dieses Alters mit den Mitteln seiner Sprache und seiner Kategorien nicht hätte fabrizieren können. Ich war an einem Ort, der mich kannte. Ich war jemand, der gewusst wurde. Und das einzige, was mit der Heftigkeit des Erlebens konkurrieren konnte, war das Wissen, dass dieses Sein nicht enden würde, weil es schon vor mir gewesen war und nach mir weitergehen würde, und dass das, was zwischen den Durchgängen lag, nicht das Wesentliche war, sondern die Pause zwischen den Phrasen einer längeren Komposition.
Und dann kam ich zurück.
Was ich beim Aufwachen erlebte, war das genaue Gegenteil dessen, was während dort gewesen war. Es war Angst. Aber das Wort Angst trifft es nicht, weil das Wort Angst aus dem Vokabular gewöhnlicher Erfahrung stammt, und das, was ich erlebte, gehörte nicht in dieses Vokabular. Es war eine Angst, die menschliche Maßstäbe sprengte, eine Angst, die weder einen Gegenstand hatte noch einen Anfang, sondern in mir einfach da war wie ein zweiter Körper, der aus dem ersten herauszubrechen versuchte. Ich kann sie heute nicht mehr beschreiben, sechs Jahrzehnte später, weil die Sprache, mit der ich es versuche, jene Sprache ist, die mit alltäglichen Ängsten umgehen kann, und das war keine alltägliche Angst.
Ich glaube, dass sie das Aufprallen war. Das Aufprallen jenes erweiterten Bewusstseins auf den engen, lebenden, atmenden Körper, der gerade dem Tod entronnen war. Der Körper hatte überlebt. Etwas in mir wusste, dass es eigentlich woanders gewesen wäre. Das Zurückkehren war kein Geschenk, sondern ein Zurückgestoßenwerden in eine engere Form.
Ich bitte darum, dabei wirklich innezuhalten. Nicht aus Dramatik, nicht um Mitleid zu erwecken, sondern weil dieses Erlebnis für mich die tiefste Frage aufgeworfen hat, die ich je einem Phänomen gegenüber hatte. Was erlebt da, in einem Kind, das noch nicht lesen kann, dem noch keine Philosophie beigebracht wurde, das kein Vokabular für Reinkarnation oder Bewusstseinskontinuität oder Seelenwanderung hatte, weil keines dieser Konzepte jemals in seiner Gegenwart erwähnt worden war? Was begegnet da etwas, das es niemals zuvor gesehen hatte, und erkennt es trotzdem als vertraut?
Die Erfahrung war vollständig. Sie hatte eine Logik. Sie implizierte die Annahme, dass Bewusstsein nicht mit dem Ende dieses Körpers endet, dass die Kontinuität des Erlebens durch eine neue Form hindurch fortbesteht, und dass das, was wir Tod nennen, eine andere Art von Ortswechsel ist als die, mit der wir uns gewöhnlich abfinden. Das ist keine Erfahrung, die man erfindet. Es ist eine Erfahrung, die man hat, weil sie da ist.
Ich sage das nicht als religiöse Aussage. Ich sage es als empirische Beobachtung, als Datenpunkt, der sich in keines der verfügbaren Erklärungsschemata einfügt, und eben deshalb nicht weggeschaut werden sollte. Die Skeptiker werden einwenden, Nahtoderlebnisse seien neurobiologisch erklärbar, Sauerstoffmangel im sterbenden Gehirn, endogene Ausschüttung von Dimethyltryptamin, Reststrom in den temporalen Lappen. Das mag in vielen Fällen zutreffen. Was es nicht erklärt, ist, warum die Berichte über Nahtoderlebnisse aus völlig verschiedenen Kulturen, Altersgruppen und religiösen Hintergründen so übereinstimmend strukturiert sind, dass sie eine eigene phänomenologische Klasse bilden. Was es ebenfalls nicht erklärt, ist, warum ein zweijähriges Kind, das nach jeder etablierten entwicklungspsychologischen Theorie autobiografische Erinnerungen dieser Detailtiefe nicht ausbilden dürfte, sich heute mit voller Klarheit an Farben und Muster erinnert, die niemand ihm später beschrieben hat. Den schwarzen Badeanzug mit weißen Punkten. Den lila Badeanzug von Tante Linde mit den grünen und gelben Absätzen. Die Erinnerung ist nicht aus Erzählungen rekonstruiert worden, weil meine Mutter ausdrücklich sagte, das könne ich nicht wissen. Sie ist aus dem Erleben selbst hervorgegangen, und sie ist geblieben.
Ich glaube an Reinkarnation. Ich glaube an die Übertragung von Energie, an die Kontinuität von etwas Wesentlichem durch sich verändernde Formen hindurch. Und ich glaube daran nicht aus religiösem Gefühl, nicht aus Trost oder Wunschdenken, sondern aus der Verbindung dreier Beobachtungen, die sich für mich nicht trennen lassen: erstens dem konservationslogischen Prinzip, das die Physik längst formuliert hat, ohne seine Konsequenzen vollständig zu ziehen, nämlich dass Energie nicht vernichtet wird, sondern sich transformiert; zweitens jenem Erlebnis im Wasser, das mir, lange bevor ich Kategorien für solche Dinge hatte, gezeigt hat, dass das, was wir Bewusstsein nennen, nicht an den Körper gebunden ist wie Wasser an seinen Krug; und drittens jener unfassbaren Angst beim Aufwachen, die nur dann sinnvoll wird, wenn man annimmt, dass etwas in einem den Unterschied zwischen den beiden Zuständen registriert hat.
Warum sollte das Phänomen des subjektiven Erlebens von dem Konservationsprinzip ausgenommen sein, das alles andere im Universum betrifft? Die Materialisten haben darauf keine Antwort, die nicht zirkular ist. Sie sagen, das Bewusstsein sei Funktion des Gehirns, weil das Gehirn nachweislich für seine Modulation zuständig ist, und wenn das Gehirn aufhört, höre auch das Bewusstsein auf, weil das Bewusstsein eben Funktion des Gehirns sei. Das ist keine Schlussfolgerung. Das ist eine Voraussetzung, die sich selbst zur Schlussfolgerung erklärt.
Ich bin kein einfacher Mensch, und ich war es nie
Ich habe mein ganzes Leben versucht, autark zu sein. Nicht im libertären Sinne von Gesellschaft verweigern, sondern im tieferen Sinne von wissen wollen. Wirklich wissen. Den Motor eines Autos kann ich wechseln, Kupplung und Bremsen sind kein Problem. Wenn mich medizinische Fragen beschäftigen, setze ich mich hin und lese, bis ich die zugrundeliegenden Mechanismen verstanden habe, nicht die Kurzversion, nicht die Patientenzusammenfassung, sondern die Biochemie. Wenn ich tatsächlich einmal einen Arzt aufsuche, weiß ich in den meisten Fällen bereits, was er sagen wird, bevor er es sagt, und wenn er es nicht sagt, sage ich es ihm. Die Ärzte, die mich näher kennen und diesen Text lesen, schmunzeln gerade, weil das buchstäblich so ist.
Diese Haltung, dieses Wissen-Müssen, war bei mir keine intellektuelle Pose, sondern eine Art Grundbedürfnis, das sich schon früh zeigte. Ich musste begreifen, wie Dinge funktionieren. Wie Menschen funktionieren. Wie das Leben funktioniert. Wie die Welt funktioniert. Und irgendwann, auf dem langen Weg durch Biochemie, Neurologie, Anthropologie, Paläontologie und Evolutionsbiologie, kam ich zu einem Ergebnis, das mich erschüttert hat, weil es für mich nicht logisch erklärbar war. Und alles, was nicht logisch erklärbar ist mit den Mitteln dieser Welt, was nicht aus den bekannten Gesetzen und Strukturen dieses Planeten heraus erklärt werden kann, ist für mich der stärkste verfügbare Hinweis, dass sein Ursprung woanders liegt.
Gott. Also wirklich. Wo bleibt die Logik?
Ich sage das nicht leichtfertig, und ich sage es nicht, um jemanden zu provozieren: Ich glaube nicht an Gott. An keinen. An den Gott der Bibel nicht, an den Gott des Korans nicht, an den Gott der Tora nicht, an keinen der vielen Götter, die Menschengruppen im Laufe ihrer Geschichte erfunden, gepflegt und für ihre jeweiligen Zwecke eingesetzt haben.
Der Grund dafür ist nicht Arroganz. Der Grund ist Logik.
Wenn ein Wesen existieren soll, das allmächtig ist, allwissend, allgütig und gleichzeitig der Schöpfer dieser Welt, dann muss dieses Wesen entweder die Welt genau so gewollt haben, wie sie ist, oder es kann nichts dagegen tun. Beides ist unbefriedigend. Wenn Gott diese Welt so gewollt hat, dann hat er Kindstod gewollt, Krebs gewollt, Alzheimer gewollt, die Atombombe gewollt, Auschwitz gewollt. Wenn er nichts dagegen tun kann, ist er nicht allmächtig. Das ist kein neues Argument, das ist das Problem der Theodizee, das Philosophen seit zwei Jahrtausenden beschäftigt und zu dem keine Theologie je eine überzeugende Antwort gegeben hat, sondern immer nur neue Formulierungen des Problems in Form von Antworten.
Ich lese die Bibel. Ich habe sie aufmerksam gelesen, aufmerksamer als viele, die sie täglich in der Hand halten. Was ich darin finde, ist kein kohärenter göttlicher Wille, sondern menschliche Widersprüchlichkeit, zusammengefasst in einem über Jahrhunderte von vielen Autoren mit verschiedenen Agenden, verschiedenen Publikumserwartungen und verschiedenen politischen Drucklagen redigierten Dokument. Ein Gott, der in Levitikus den Genozid ganzer Völker anordnet, und in der Bergpredigt die Feindesliebe als höchstes Gebot verkündet, offenbart keinen konsistenten göttlichen Plan. Er offenbart die Inkohärenz der Menschen, die in seinem Namen schreiben. Das ist keine Gottlosigkeit, das ist Literaturkritik. Und jeder ehrliche Theologe, der in einem privaten Moment spricht, weiß es.
Was der Glaube tatsächlich angerichtet hat
Ich könnte hier stundenlang durch Konfessionen und Religionen reisen, und überall würde ich auf dasselbe Muster stoßen. Aber ich bleibe beim Christentum, weil es das System ist, das die westliche Geschichte am stärksten geprägt hat und das in unserem Kontext am relevantesten ist.
Die Kreuzzüge, über ungefähr zwei Jahrhunderte, töteten Hunderttausende im Namen eines Gottes, dessen Mittelpunkt nach dem Zeugnis der eigenen Schriften die Liebe des Nächsten war. Die Inquisition folterte und richtete Menschen hin, die das Vergehen begingen, anders zu denken, einige davon in Ermangelung anderer Delikte für Vergehen, die auch in der Bibel selbst nicht als todeswürdig gelten. Die Hexenverfolgungen zwischen 1400 und 1700 brannten nach konservativen Schätzungen zwischen vierzigtausend und sechzigtausend Menschen, die überwiegende Mehrheit Frauen, viele von ihnen Trägerinnen empirischen medizinischen Wissens, das die kirchliche Autorität in die Kategorie des Teufelspakts umdefiniert hatte (Levack, B. P., 2013, The Oxford Handbook of Witchcraft in Early Modern Europe and Colonial America, Oxford University Press). Walburga Hausmannin, Hebamme aus Dillingen, wurde 1587 hingerichtet, unter anderem weil sie Kräuter zur Schmerzlinderung bei der Geburt einsetzte. Schmerz bei der Geburt galt als gottgegeben. Wer ihn linderte, griff in Gottes Plan ein.
Und dann, das stärkste Bild von allen: Die Kreuzritter. Männer, die jahrzehntelang im Auftrag des Papstes gekämpft, geblutet und gestorben waren, die Jerusalem hielten, die den heiligen Auftrag erfüllten. Der Templerorden, die bestorganisierte Kampftruppe des christlichen Europa, wurde 1307 auf Geheiß von König Philipp IV. von Frankreich verhaftet, gefoltert, zu Geständnissen gezwungen, die unter Folter entstanden waren und deshalb keinerlei Beweiskraft haben, und auf Scheiterhaufen verbrannt. Der Papst, der Stellvertreter jenes Gottes, in dessen Namen die Templer jahrelang gestorben waren, unternahm nichts Wirksames dagegen. Er unterschrieb. Eine Institution, die ihre treuesten Diener aus politischen und finanziellen Motiven vernichtet, trägt keine moralische Autorität. Sie trägt Macht, und das ist ein anderes Wort.
Jede andere große Religion hat ihre Version dieser Geschichte. Der Islam hat Dschihad und Inquisition. Der Hinduismus hat Kastengewalt. Der Buddhismus hat ethnische Säuberungen in Myanmar. Jedes Glaubenssystem, das in Berührung mit politischer Macht kommt, zeigt dieselbe Struktur: die religiöse Rechtfertigung von Gewalt gegen Andersglaubende, die Vereinnahmung des Heiligen für die Interessen der Mächtigen, das Instrumentalisieren der Transzendenz für sehr irdische Zwecke. Das ist kein Zufall. Das ist die vorhersagbare Konsequenz eines Systems, das überprüfbaren Rechenschaftsverpflichtungen entzogen ist, weil es seine Autorität aus einer Quelle ableitet, die definitionsgemäß nicht hinterfragt werden darf.
Ich sage das nicht aus Bitterkeit. Ich sage es, weil es historische Tatsache ist, und weil eine intellektuell ehrliche Auseinandersetzung mit der Frage, ob Gott existiert, nicht umhinkommt, zu fragen, warum die Institutionen, die seinen Willen auf Erden verkörpern sollten, so systematisch gegen die zentralen Gebote dieser Schriften verstoßen haben.
Aber: Reinkarnation und die Energie, die bleibt
Ich sage, ich glaube nicht an Gott, und ich sage gleichzeitig, dass ich an Reinkarnation und an Energieübertragung glaube. Das klingt wie ein Widerspruch. Es ist keiner.
Gott, in dem Sinne wie er in den monotheistischen Religionen konzipiert wird, ist ein persönliches Wesen mit Intentionen, Plänen, Zorn und Gnade, ein Wesen, das Gebete hört, das Schicksale lenkt, das in die Geschichte eingreift. Diese Konzeption widerspricht der Evidenz so grundlegend, dass ich sie nicht aufrechterhalten kann.
Die Idee, dass bewusstes Erleben mit dem Tod des Körpers aufhört und vollständig erlischt, widerspricht der Evidenz in anderer Weise. Energie ist konserviert. Das ist nicht esoterisch, das ist der erste Hauptsatz der Thermodynamik. Was sich verändert, sind die Formen. Was aufhört, wenn ein Organismus stirbt, ist die spezifische biologische Organisation dieser Energie. Was mit dem erlebenden Bewusstsein geschieht, weiß niemand, wirklich niemand, und wer behauptet, es zu wissen, lügt in beide Richtungen.
Was ich als Kind am Fenster dachte, war kein Wunschgedanke. Es war eine Schlussfolgerung. Sie war da, bevor ich irgendeinen Rahmen hatte, in den ich sie hätte einordnen können. Das ist für mich relevante Evidenz, nicht beweiskräftig, aber relevanter als das Schweigen, das die materialistische Wissenschaft auf diese Frage gibt.
Der gemeinsame Urahn und das Problem der Zeit
Im Juli 2024 erschien in Nature Ecology and Evolution eine Studie von Edmund Moody und Kollegen an der Universität Bristol, die die Wissenschaftsgemeinde auf eine Weise erschütterte, die in der öffentlichen Berichterstattung noch nicht vollständig angekommen ist (Moody, E. R. R., et al., 2024, The nature of the last universal common ancestor and its impact on the early Earth system, Nature Ecology and Evolution, 8, 1654-1666). Die Studie untersuchte den letzten gemeinsamen Vorfahren aller lebenden Organismen auf der Erde, bekannt unter dem englischen Akronym LUCA, Last Universal Common Ancestor, und lieferte Ergebnisse, die in ihrer Konsequenz noch nicht ausreichend diskutiert worden sind.
LUCA lebte vor ungefähr 4,2 Milliarden Jahren. Die Erde wurde vor 4,5 Milliarden Jahren gebildet. Das bedeutet, dass sich vollständige, komplexe Lebensformen auf einem Planeten, der gerade erst abgekühlt war und der in dieser frühen Phase intensivem Asteroidenbeschuss ausgesetzt war, in weniger als 300 Millionen Jahren entwickelten. Das klingt nach einer langen Zeit. In geologischen Maßstäben ist es eine erschreckende Geschwindigkeit.
Was diese LUCA war, ist noch wichtiger. Das Moody-Team rekonstruierte ein Genom mit mindestens 2,5 Megabasen, das ungefähr 2.600 Proteine kodierte, eine Komplexität, die derjenigen moderner Bakterien vergleichbar ist. LUCA hatte ein funktionales Immunsystem, ein CRISPR-ähnliches System zur Abwehr von Viren, das seinerseits eine erhebliche molekulare Raffinesse voraussetzt. LUCA war keine primitive Ursuppe, kein einfacher selbstreplizierender Faden, kein Zwischenstadium auf dem Weg zur Komplexität. LUCA war bereits voll komplex, mit allem, was dazu gehört.
Und jetzt stelle ich die Frage, die die Studie aufwirft, ohne sie zu beantworten. Wie kommt in 300 Millionen Jahren, auf einem Planeten unter aktivem Asteroidenbeschuss, ohne stabile ozeanische Chemie, ohne das Milieu, das viele Abiogenese-Hypothesen als Voraussetzung annehmen, ein Organismus mit 2.600 Proteinen und einem Immunsystem zustande? Und warum erscheint er vollständig, komplex, voll ausgestattet, ohne erkennbare Vorstufen?
Die Standardantwort der Biologie ist, dass wir diese Vorstufen nicht finden, weil sie keine Fossilien hinterlassen haben, und dass die Zeit für graduelle Entwicklung ausreichte. Das ist logisch nicht zu widerlegen. Aber es ist auch nicht zu beweisen. Es ist eine Annahme, die aus dem Rahmen der Evolutionstheorie heraus postuliert wird, nicht eine Beobachtung. Die Beobachtung ist: das früheste Lebewesen, das wir aus genetischen Sequenzen rekonstruieren können, war bereits enorm komplex.
Die Zahl, die niemand gerne hört
Fred Hoyle war Astrophysiker an der Universität Oxford, erklärter Atheist, und einer der mathematisch rigorosesten Denker des zwanzigsten Jahrhunderts. Er hatte keine religiöse Agenda. Er hatte eine Rechnung. In seinen 1982 veröffentlichten Arbeiten, gemeinsam mit dem Astrophysiker N. C. Wickramasinghe verfasst, berechnete Hoyle die Wahrscheinlichkeit, dass die ungefähr zweitausend Enzyme, die für das einfachste selbsterhaltende zelluläre Leben erforderlich sind, durch zufällige chemische Prozesse entstehen (Hoyle, F., und Wickramasinghe, N. C., 1982, Evolution from Space: A Theory of Cosmic Creationism, Simon and Schuster). Das Ergebnis war eine Zahl: eins zu zehn hoch vierzigtausend.
Um das einzuordnen: Mathematiker setzen eins zu zehn hoch fünfzig als die Schwelle, unterhalb derer ein Ereignis im Rahmen der physikalischen Grenzen des bekannten Universums als statistisch unmöglich gilt. Die Gesamtzahl der Atome im beobachtbaren Universum beträgt schätzungsweise zehn hoch achtzig. Das Alter des Universums in Sekunden beträgt ungefähr zehn hoch siebzehn. Beide Zahlen kommen nicht annähernd an die kombinatorische Unmöglichkeit heran, die Hoyle berechnet hatte.
Hoyle, der Atheist, kam zu einer Schlussfolgerung, die er selbst als unbequem bezeichnete. Er schrieb: Wenn man diese Angelegenheit direkt und ohne Ablenkung durch die Angst vor dem Zorn der wissenschaftlichen Meinung betrachtet, gelangt man zu dem Schluss, dass Biomaterialien mit ihrem außerordentlichen Maß an Ordnung das Ergebnis intelligenten Designs sein müssen. Kein Kreationismus, kein Gott, keine Religion. Ein Atheist mit einer Rechnung, der ihrer Konsequenz folgte.
Harold Morowitz an der Yale University führte eine ergänzende Berechnung durch, die noch drastischere Ergebnisse lieferte. Er berechnete, dass wenn man eine große Menge Bakterien erhitzen würde, bis jede chemische Bindung gebrochen wäre, und dann die Atome abkühlen ließe, sodass sie neue Bindungen im Gleichgewicht bilden könnten, die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende ein lebendes Bakterium vorhanden wäre, ungefähr eins zu zehn hoch einhundert Milliarden betrüge (Morowitz, H. J., 1968, Energy Flow in Biology, Academic Press). Eins zu zehn hoch einhundert Milliarden. Das ist keine wissenschaftliche Diskussion, das ist ein mathematischer Abbruch der Möglichkeit.
Murray Eden am MIT berechnete die Wahrscheinlichkeit der Entstehung funktionaler Polypeptidsequenzen durch Zufallsprozesse auf eins zu zehn hoch dreihundertdreizehn. Diese Berechnungen kommen von verschiedenen Wissenschaftlern, aus verschiedenen methodischen Ansätzen, und sie konvergieren auf eine gemeinsame Schlussfolgerung: Die spontane Entstehung selbst des einfachsten biologischen Lebens ist, mathematisch betrachtet, keine Theorie, die von den Zahlen gestützt wird. Sie ist eine Theorie, die aufrechterhalten wird, weil die Alternativen institutionell unbequemer sind.
Der Harvard-Biochemiker und Nobelpreisträger George Wald formulierte das mit einer Offenheit, die man im akademischen Bereich selten antrifft: Man muss nur die Größenordnung dieser Aufgabe betrachten, um zuzugeben, dass spontane Entstehung eines lebenden Organismus unmöglich ist. Und doch sind wir hier. Ich glaube an die spontane Entstehung. Diese Aussage ist kein Argument. Sie ist ein Glaubensbekenntnis, verpackt in wissenschaftliche Sprache.
Francis Crick und das Geständnis des Jahrzehnts
Es gibt eine Tatsache in der Geschichte der Wissenschaft, die in den Schulbüchern fehlt und in den Talkshows, in denen über Evolution und Schöpfung diskutiert wird, ebenfalls fehlt. Francis Crick, derjenige Crick, der zusammen mit James Watson die Doppelhelixstruktur der DNA entdeckte, einer der Mitbegründer der modernen Molekularbiologie, veröffentlichte 1973 gemeinsam mit dem Chemiker Leslie Orgel in der Fachzeitschrift Icarus einen Artikel mit dem Titel Directed Panspermia (Crick, F. H. C., und Orgel, L. E., 1973, Directed Panspermia, Icarus, 19(3), 341-346).
In diesem Artikel argumentierten Crick und Orgel, dass das Leben auf der Erde möglicherweise absichtlich von einer fortgeschrittenen extraterrestrischen Zivilisation gesät wurde. Nicht durch Meteoriteneinschlag, nicht durch zufälligen kosmischen Transport, sondern absichtlich, durch eine technologisch fortgeschrittene Intelligenz, die Raumfahrzeuge entwickelt hatte und die Mikroorganismen auf die Erde brachte, um hier Leben zu etablieren. Crick formulierte diese These nicht als Gewissheit, sondern als ernsthaft zu verfolgende Hypothese: Es ist möglich, dass das Leben die Erde auf diesem Weg erreicht hat.
Crick war kein Mystiker. Er war kein Esoteriker. Er war einer der präzisesten wissenschaftlichen Denker des zwanzigsten Jahrhunderts, ausgezeichnet mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Und er sah sich durch zwei Befunde zu dieser These gedrängt: erstens durch die Universalität des genetischen Codes, und zweitens durch das Vorkommen von Molybdän. Molybdän ist ein auf der Erde ausgesprochen seltenes Element, an der Erdoberfläche in einer Konzentration von nur etwa 0,02 Prozent vorhanden, spielt aber in der Biochemie aller bekannten Lebensformen eine überproportionale Rolle. Wenn das Leben auf der Erde entstanden wäre, würde man erwarten, dass es die häufigen Elemente bevorzugt nutzt. Dass es stattdessen auf einem seltenen Element aufbaut, das auf einem anderen Planeten häufig sein könnte, ist für Crick und Orgel ein möglicher Hinweis auf einen extraterrestrischen Ursprung.
1981 widmete Crick dem Thema ein eigenständiges Buch mit dem Titel Life Itself. Er entwickelte dort das Argument, dass die Wahrscheinlichkeit einer erdgebundenen Entstehung des Lebens so gering ist, dass eine externe Quelle, also eine intelligente Einflussnahme von außerhalb der Erde, wissenschaftlich ernsthaft in Betracht gezogen werden muss. Der Mitentdecker der DNA-Struktur sagte damit sinngemäß dasselbe, was ich in diesem Artikel sage. Und es wurde ignoriert, weil es in keine der verfügbaren institutionellen Schubladen passt.
Das Mysterium der universellen Sprache
Es gibt in der gesamten Biologie kaum eine Tatsache, die so bemerkenswert ist wie die Universalität des genetischen Codes, und kaum eine, die seltener in ihrer vollen Bedeutung diskutiert wird. Der genetische Code ist die Regel, nach der Nukleotidtriplets, also Sequenzen von je drei der vier DNA-Basen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin, in Aminosäuren übersetzt werden, die dann zu Proteinen zusammengesetzt werden. Es gibt 64 mögliche Triplets und 20 Aminosäuren, was bedeutet, dass der Code erheblichen Spielraum bietet: mehrere Triplets können dieselbe Aminosäure kodieren, und viele andere Zuordnungssysteme würden funktionieren.
Und dennoch: alle bekannten lebenden Organismen auf der Erde, Bakterien, Pilze, Pflanzen, Tiere, einschließlich des Menschen, verwenden mit minimalen und gut dokumentierten Ausnahmen denselben genetischen Code. Ein Triplet, das in einem menschlichen Ribosom die Aminosäure Methionin kodiert, kodiert dieselbe Aminosäure in einem Bakterium, das in der Tiefsee lebt, in einem Pilz, der morsche Baumstümpfe abbaut, in einem Oktopus, in einem Fadenwurm, in einem Elefanten.
Das ist keine Notwendigkeit. Es ist eine Wahl. Verschiedene Codes würden genauso gut funktionieren, und wenn Leben auf der Erde sich mehrfach unabhängig entwickelt hätte, würde man erwarten, dass verschiedene Linien verschiedene Codes verwenden, so wie verschiedene menschliche Kulturen verschiedene Schriftsysteme entwickelt haben, um dieselbe Funktion zu erfüllen. Die Universalität des genetischen Codes ist der stärkste verfügbare Beleg dafür, dass alles Leben auf der Erde auf einen einzigen gemeinsamen Ursprung zurückgeht, einen einzigen Gründungsmoment, in dem der Code festgelegt wurde und dann, durch die gesamte Evolutionsgeschichte hindurch, unveränderlich konserviert wurde (Koonin, E. V., und Novozhilov, A. S., 2009, Origin and evolution of the genetic code: The universal enigma, IUBMB Life, 61(2), 99-111).
Eine Sprache für alle. Einen Bauplan, den kein späteres biologisches System verlässt, weil er in der Architektur verankert ist.
Was die Alten auf Stein gemeißelt haben
Ich bin jemand, der sein Leben damit verbracht hat, Bilder zu analysieren, Videoaufnahmen zu interpretieren, Spuren zu lesen und Schlussfolgerungen zu ziehen, die vor Gericht bestehen müssen. Wenn mir jemand sagt, dass ein Bild so und nicht anders interpretiert werden soll, weil das der Konsens ist, dann frage ich nach dem Verfahren, nach der Methode, nach den Alternativhypothesen, und ich lasse mir zeigen, warum die Konsensinterpretation die anderen ausschließt und nicht nur verdrängt.
Mit diesem Blick betrachte ich den Sarkophagdeckel des Maya-Herrschers K’inich Janaab’ Pakal, entdeckt 1952 unter dem Tempel der Inschriften in Palenque, Mexiko, datiert auf das siebte Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Das Bild zeigt eine menschliche Figur in nach vorne geneigter, halb liegender Haltung. Die Figur hat ihre Hände in einer Position, die den Eindruck erweckt, Bedienelemente zu manipulieren. Unterhalb der Figur befinden sich flammenähnliche Muster. Um die Figur herum verlaufen gebogene, röhrenartige Strukturen. Der Oberkörper der Figur ist von einer gekapselten Umgebung umgeben, die den Grenzen einer Einheit ähnelt, die von der Außenwelt getrennt ist.
Die Mainstream-Archäologie interpretiert dieses Bild als Darstellung des Todes Pakals und seiner Reise in die Maya-Unterwelt Xibalba, im Kontext der Maya-Kosmologie und der Weltbaum-Symbolik. Das ist eine kohärente Interpretation, die in den kulturellen Rahmen der Maya-Bildsprache eingebettet ist. Ich bestreite sie nicht. Ich stelle fest, dass zwei kohärente Interpretationen desselben Bildes koexistieren können, und dass die institutionelle Bevorzugung einer Interpretation nicht das Verschwinden der anderen begründet.
Was der Bildhauer auf den Sarkophagdeckel meißelte, muss er irgendwie wahrgenommen oder überliefert bekommen haben. Wenn es eine spirituelle Abstraktion war, warum ähnelt das Bild dann in seiner Gesamtkomposition so auffällig einem Piloten in einem Cockpit, ohne dass der Bildhauer jemals ein Cockpit gesehen haben konnte? Wie erklären wir, dass Kulturen, die in keiner bekannten Verbindung standen, auf verschiedenen Kontinenten, mit verschiedenen Schriftsystemen und verschiedenen religiösen Rahmen, unabhängig voneinander Figuren in Gewändern schufen, die modernen Schutzanzügen ähneln, fliegende Objekte darstellten und Wesen beschrieben, die vom Himmel kamen?
Die ägyptische Grabkunst enthält über Dynastien und Stätten hinweg Darstellungen, die von der Mehrheit der Wissenschaft als mythologisch klassifiziert werden, die aber von einer signifikanten Minderheit von Forschern als Aufzeichnungen von etwas interpretiert werden, das die Künstler beobachteten oder überliefert bekommen hatten. Die Dendera-Reliefs, die von manchen als stilisierte Darstellungen mythologischer Gottheiten gelesen werden und von anderen als technische Illustrationen von Leuchtmitteln, haben bis heute keine abschließende Interpretation erfahren, die alle Befunde erklärt.
Ich sage nicht, dass diese Bilder außerirdische Begegnungen beweisen. Ich sage, dass eine Zivilisation, die in der Lage war, die Große Pyramide von Gizeh zu bauen, ein Bauwerk, dessen innere Maßtoleranzen im Millimeterbereich liegen und dessen astronomische Ausrichtung auf geografische Koordinaten und Himmelskonstellationen wir mit moderner Maschinerie kaum replizieren könnten, keine Zivilisation von Primitiven war, die wir herablassend behandeln sollten. Etwas machte sie dazu fähig. Etwas, das in unseren Modellen der menschlichen Entwicklung bislang keine ausreichende Erklärung gefunden hat.
Und jeder Archäologe, der genug Jahrzehnte auf Ausgrabungsfeldern verbracht hat, der ehrlich mit sich ist, wenn niemand zuhört, hat diesen Moment gehabt, in dem er vor einem Befund stand und dachte: das kann eigentlich nicht sein. Und dann hat er es weggelegt, weil die institutionellen Konsequenzen des Nichtweglegens zu schwer wiegen.
Das Universum ist nicht für uns gebaut, und das ist der Punkt
Jetzt das einfachste Argument. Das, über das ich am wenigsten Worte verlieren muss, weil es für sich spricht.
Das beobachtbare Universum enthält nach aktuellen Schätzungen zwei Billionen Galaxien. Jede Galaxie enthält durchschnittlich hundert Milliarden Sterne. Unsere Galaxie, die Milchstraße, mit ihren ungefähr zweihundert Milliarden Sternen, ist in ihrer Größe und Komplexität vollkommen unspektakulär, ein durchschnittliches Exemplar der häufigsten Galaxienklasse. Die Gesamtzahl der Sterne im beobachtbaren Universum wird auf ungefähr zehn hoch vierundzwanzig geschätzt, eine Zahl, für die das menschliche Gehirn kein intuitives Äquivalent hat.
Und um einen erheblichen Anteil dieser Sterne kreisen Planeten. Das Kepler-Weltraumteleskop und seine Nachfolger haben gezeigt, dass Planeten keine Ausnahme, sondern die Regel sind. Für die Milchstraße allein werden mehrere hundert Milliarden Planeten geschätzt, von denen ein substantieller Teil in der habitablen Zone seiner Sterne liegt. Die Drake-Gleichung, 1961 vom Radioastronomen Frank Drake formuliert, schätzt die Anzahl technologischer Zivilisationen, die aktuell in der Milchstraße aktiv sein könnten, und liefert je nach Parameterwahl Ergebnisse zwischen eins und mehreren tausend (Drake, F. D., 1961, Project Ozma, Physics Today, 14(4), 40-46).
Jeder Mensch, der in diesem Kontext glaubt, der Homo sapiens auf dem dritten Planeten eines unspektakulären Sterns in einer unspektakulären Galaxie sei die einzige intelligente Lebensform, die je in dieser Struktur existiert hat, trifft keine bescheidene Aussage. Er trifft die anthropozentrischste Aussage, die in diesem Universum überhaupt möglich ist. Er sagt: all das, zwei Billionen Galaxien, zehn hoch vierundzwanzig Sterne, fünfzehn Milliarden Jahre kosmische Geschichte, wurde produziert, damit wir hier sitzen und Smartphones benutzen. Das ist keine Wissenschaft. Das ist das genaue Gegenteil von Bescheidenheit.
Was ich stattdessen glaube, ist, dass das Universum Intelligenz enthält, die wir nicht dokumentiert haben, dass ein Teil dieser Intelligenz älter ist als unsere Spezies um Zeitmaßstäbe, die die Gesamtheit der Menschheitsgeschichte in den Schatten stellen, und dass der Ursprung biologischer Komplexität auf der Erde, angesichts dessen, was die Wahrscheinlichkeitsberechnungen über spontane Entstehung aussagen, erheblich konsistenter ist mit dem, was ich die dirigierte Besiedlung nenne, als mit einem chemischen Zufall in einem urzeitlichen Ozean.
Die Konstrukteure
Ich habe für das, was ich für die plausibelste Erklärung des Befunds halte, einen Namen gewählt: die Konstrukteure. Nicht Götter. Nicht in irgendeinem religiösen Sinne. Keine Wesen, die angebetet werden wollen, die Gebete erhören oder Schicksale lenken. Technologisch fortgeschrittene, biologische Entitäten, alt auf Zeitskalen, gegen die die Existenz des Homo sapiens eine Fußnote ist, die die Kapazität entwickelt hatten, biologisches Leben zu entwerfen, zu transportieren und an einem vorbereiteten Standort zu etablieren.
Ich habe diese Überzeugung einmal in einer Publikation niedergeschrieben, einer Schrift, die ich nie veröffentlicht habe, weil die Kritik ankam, bevor das Manuskript öffentlich war. Jene Art institutioneller Vorabalehnung, die jeden trifft, der das Problem ernsthaft und ohne vorgefertigte Antwort stellt. Ich habe davon Abstand genommen, nicht weil die Argumente schwächer geworden wären, sondern weil ich erkannte, dass bestimmte Debatten ihrer Zeit brauchen.
Die Zeit ist jetzt.
Das DNA-Molekül ist, biochemisch betrachtet, kein Produkt eines graduellen Entwicklungsprozesses aus einfacheren Vorstufen durch natürliche Selektion. Das liegt nicht an einem konzeptionellen Mangel der Evolutionstheorie, die für das, was sie beschreibt, nämlich die Veränderung und Diversifizierung von Leben auf der Grundlage bestehenden Lebens, hervorragend belegt ist. Das Problem liegt vor der Evolution: im ersten Schritt, in der Entstehung des selbstreplizierenden Systems selbst.
Selektion erfordert Replikation. Replikation erfordert ein Informationssystem. Das einfachste bekannte Informationssystem, das Replikation ermöglicht, ist in seiner Basiskomplexität bereits erheblich. Die Nukleotidbasen der DNA paaren sich nicht zufällig, und sie paaren sich nicht aus physikochemischen Gründen, die ihrer eigenen Molekülstruktur inhärent wären. Die Paarung Adenin-Thymin und Guanin-Cytosin ist eine Eigenschaft des vollständigen Systems, nicht der einzelnen Komponenten. Ein selbstreplizierendes System, das aus einem solchen Code entstehen soll, muss diesen Code vollständig haben, bevor es sich replizieren kann. Es gibt keinen Zwischenzustand, in dem ein halbfertiger genetischer Code sich repliziert und selektiert, weil ein halbfertiger genetischer Code sich nicht repliziert.
Die Konstrukteure, so meine Arbeitshypothese, haben dieses System nicht aus dem Nichts erschaffen. Sie haben es irgendwo anders in einem anderen biochemischen Kontext entwickelt, über Zeitspannen und mit technologischen Mitteln, die wir nicht kennen, und haben es auf die frühe Erde gebracht, zu einem Zeitpunkt, der mit dem übereinstimmt, was die LUCA-Forschung beschreibt: ungefähr 4,2 Milliarden Jahre vor heute, innerhalb von 300 Millionen Jahren nach der Entstehung eines bewohnbaren Planeten, als vollständiges, komplexes, funktionsfähiges Lebenssystem, mit Immunsystem inklusive.
Die Evolution hat danach alles Weitere getan. Die Diversifizierung des Lebens, die Entstehung der Eukaryoten, der Vielzeller, der Pflanzen, der Tiere, des Menschen, das alles ist Evolutionsbiologie, und ich zweifle nicht daran. Was ich bezweifle, ist, dass der Ausgangspunkt, die ersten 2.600 Proteine, das vollständige Replikationssystem, der universelle genetische Code, in 300 Millionen Jahren auf einem Planeten im Asteroidenbeschuss aus chemischem Zufall entstanden sein soll.
Die einzelne Zelle, die alles zeigt
Es gibt ein Bild, das 2024 durch Super-Resolution-Mikroskopie verfügbar wurde, eine dreidimensionale Visualisierung einer einzelnen menschlichen Zelle in Nanoskalen-Auflösung, und wer es betrachtet, ohne zu stocken, schaut nicht aufmerksam genug (Andronov, L., et al., 2024, Nanoscale subcellular architecture revealed by multicolor three-dimensional super-resolution imaging, Nature Communications, 15, 4174). Was dieses Bild zeigt, ist keine einfache Chemikalientüte. Was es zeigt, ist eine Stadt, im vollsten Sinne des Wortes, mit spezialisierten Bezirken, mit Transportinfrastruktur, die zwischen ihnen verläuft, mit Kommunikationssystemen, mit Energieerzeugung, mit Abfallverarbeitung, mit Qualitätskontrolle, mit Reparaturmechanismen, mit Archivsystemen, die Information in einem Format außerordentlicher Kompaktheit und Präzision speichern, alles koordiniert, alles gleichzeitig funktionierend.
Die DNA in einer einzelnen menschlichen Zelle würde, abgerollt, ungefähr zwei Meter erstrecken. Jede Zelle im menschlichen Körper enthält dieselben zwei Meter eng aufgerollter Information, und der menschliche Körper enthält ungefähr siebenunddreißig Billionen Zellen. Die Information in dieser DNA kodiert nicht nur die Proteine, die zum Aufbau und zur Erhaltung des Körpers erforderlich sind, sondern auch die regulatorischen Systeme, die steuern, wann und wo jedes Protein exprimiert wird, die Zeitmechanismen, die die Entwicklung koordinieren, die Fehlerkorrektur-Systeme, die Kopierfehler abfangen und reparieren, und die Mechanismen, durch die sich das gesamte System mit außerordentlicher Genauigkeit selbst repliziert.
Das ist nicht das Produkt eines Tornados, der durch einen Schrottplatz fährt, um Hoyles eigene Analogie zu benutzen. Das ist eine ingenieurtechnische Leistung einer Raffinesse, die wir derzeit nicht replizieren können, die wir erst zu verstehen beginnen, und deren Ursprung, wenn man die Wahrscheinlichkeitsberechnungen ernst nimmt, nicht durch die Zufälligkeit der Chemie allein erklärt werden kann.
Der Mensch: das genialste und das dümmste Wesen, das dieser Planet je gesehen hat
Das Ergebnis dieses Prozesses, der Homo sapiens, ist das Bemerkenswerteste und das Zerstörerischste, was dieser Planet hervorgebracht hat. Beides gleichzeitig, und ich meine beides mit derselben Ernsthaftigkeit.
Wir können das Genom entschlüsseln. Wir haben den Mond betreten. Wir haben Maschinen gebaut, die Berechnungen durchführen, für die ein menschliches Gehirn Jahrmillionen bräuchte, in Sekunden. Wir haben Krankheiten besiegt, Hungersnöte reduziert, die durchschnittliche Lebenserwartung in zwei Jahrhunderten verdoppelt. Das Maß an kumuliertem Wissen, das die Menschheit heute besitzt, übersteigt jeden Vergleich mit irgendeinem früheren Zeitpunkt.
Und mit all diesem Wissen führen wir Kriege um Linien, die auf Karten gezeichnet wurden. Wir zerstören Ökosysteme, die wir für unser eigenes Überleben benötigen. Wir wiederholen dieselben fundamentalen Fehler, Generation um Generation, mit einer Konsistenz, die erschreckend wäre, wenn sie nicht so vertraut wäre. Der Homo sapiens ist, was seine kognitiven Kapazitäten betrifft, das Ergebnis einer Konstruktion von außerordentlicher Raffinesse. Was seine kollektive Verhaltenssteuerung betrifft, ist er ein unfertiges Experiment.
Ich glaube nicht, dass wir aufhören werden, diese Fehler zu machen. Ich glaube, das Muster sitzt zu tief, um durch die Akkumulation von Wissen allein korrigiert zu werden. Wissen haben wir. Was uns fehlt, ist die Weisheit, es zu nutzen, und Weisheit ist nicht downloadbar, nicht per Curriculum vermittelbar, nicht genetisch stabil vererbbar. Jede Generation muss sie neu erarbeiten, und die meisten scheitern.
Das ist kein Pessimismus. Es ist ein Befund. Wer sich über einen Befund täuscht, kann das Zugrunde liegende Problem nicht behandeln.
Die Frage, die kein Gläubiger stellt
Ich schließe mit der Frage, die ich immer stelle, wenn Menschen mir sagen, die Existenz von Gott sei bewiesen durch die Existenz des Lebens, durch die Schönheit der Welt, durch die Komplexität der Schöpfung. Wenn Gott diese Komplexität erschuf, wer erschuf dann Gott?
Die Frage wird meistens mit dem Argument abgetan, Gott sei per Definition ewig, er habe keinen Anfang, er sei die erste Ursache, die selbst keine Ursache benötige. Das ist ein philosophisches Manöver, kein Argument. Es legt einfach fest, dass die Erklärungskette an einer bestimmten Stelle aufhört, ohne zu erklären, warum sie dort aufhört. Wenn man dieselbe logische Operation auf die Materie des Universums anwendet, ist das Ergebnis identisch: das Universum existiert, hat keinen äußeren Ursprung, und die Frage nach dem Davor ist sinnlos. Man hat nichts gewonnen.
Was ich an den Konstrukteuren überzeugender finde als an Gott, ist nicht, dass die Konstrukteure das Rätsel lösen. Sie lösen es nicht. Sie verlagern es, ebenso wie Gott es verlagert. Aber sie verlagern es auf eine Weise, die mit dem naturwissenschaftlichen Weltbild vereinbar ist, mit der Entstehung von Technologie durch Evolution über sehr lange Zeiträume, mit der Verteilung von Leben durch das Universum, mit der Möglichkeit, dass intelligente Lebensformen in einem Universum dieses Alters und dieser Größe das Niveau technologischer Fähigkeit erreichen, das wir selbst in einigen Jahrtausenden möglicherweise erreichen werden. Sie sind nicht übernatürlich. Sie sind natürlich, nur älter, weiter fortgeschritten, und jenseits unserer derzeitigen Nachweiskapazität.
Das ist kein Glaubensbekenntnis. Das ist eine Arbeitshypothese, die der Evidenz am ehesten gerecht wird. Sie ist falsifizierbar, sie ist erweiterbar, sie schreibt nichts heilig. Und sie ist, anders als der Glaube an einen persönlichen Gott, der die Geschichte lenkt, Gebete erhört und Sünden richtet, zumindest nicht widerlegbar durch die bloße Betrachtung der Welt, wie sie ist.
Die Konstrukteure haben möglicherweise etwas Geniales erschaffen. Ob sie mit dem, was daraus geworden ist, zufrieden wären, das weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass die Verantwortung für das, was wir daraus machen, vollständig bei uns liegt. Kein Gott nimmt sie uns ab. Kein kosmischer Plan rechtfertigt sie rückwirkend. Wir sind das Ergebnis eines Entwurfs, der uns die Kapazität zum Begreifen gab.
Was wir begreifen und was wir damit tun, das ist unsere Aufgabe. Und daran gemessen sind wir, mit großem Abstand, noch Anfänger.
An einem zweiten, eng verwandten Beitrag arbeite ich seit mehreren Tagen, und er wird in den nächsten Tagen erscheinen. Er trägt den Titel Wahrscheinlichkeit Null und liefert die mathematische Untermauerung dessen, was hier philosophisch und historisch ausgeführt ist. Er rechnet vor, in Zahlen, in Formeln, in Vergleichen, die das menschliche Vorstellungsvermögen erreichen können, warum die Entstehung des menschlichen Genoms durch Zufall keine bloß unwahrscheinliche, sondern eine mathematisch ausgeschlossene Möglichkeit ist. Wer sich von diesem Text hat berühren lassen, wird im nächsten Text die Zahlen finden, die hinter der Berührung stehen.
Dies ist die Position eines Wissenschaftlers, der sein Leben damit verbracht hat, Evidenz zu sammeln und zu folgen, wohin sie führt, auch wenn das an unbequeme Orte geht. Es ist keine peer-reviewed wissenschaftliche Arbeit. Es ist ein ehrlicher Rechenschaftsbericht darüber, wohin ein Leben des Hinschauens geführt hat. Wer widersprechen will, bitte: argumentativ, mit Evidenz, ohne Appell an Autorität oder Konsens. Konsens ist das, was in der Wissenschaft gerade als Mehrheitsmeinung gilt. Wahrheit ist etwas anderes.
Quellen
Andronov, L., et al. (2024). Nanoscale subcellular architecture revealed by multicolor three-dimensional super-resolution imaging. Nature Communications, 15, 4174. https://doi.org/10.1038/s41467-024-46693-0
Crick, F. H. C. (1981). Life Itself: Its Origin and Nature. Simon and Schuster.
Crick, F. H. C., und Orgel, L. E. (1973). Directed Panspermia. Icarus, 19(3), 341-346. https://doi.org/10.1016/0019-1035(73)90110-3
Drake, F. D. (1961). Project Ozma. Physics Today, 14(4), 40-46.
Eden, M. (1967). Inadequacies of neo-Darwinian evolution as a scientific theory. In P. S. Moorhead und M. M. Kaplan (Hrsg.), Mathematical Challenges to the Neo-Darwinian Interpretation of Evolution. Wistar Institute Press.
Hoyle, F., und Wickramasinghe, N. C. (1982). Evolution from Space: A Theory of Cosmic Creationism. Simon and Schuster.
Koonin, E. V., und Novozhilov, A. S. (2009). Origin and evolution of the genetic code: The universal enigma. IUBMB Life, 61(2), 99-111. https://doi.org/10.1002/iub.146
Levack, B. P. (2013). The Oxford Handbook of Witchcraft in Early Modern Europe and Colonial America. Oxford University Press.
Moody, E. R. R., Alvarez-Carretero, S., Mahendrarajah, T. A., et al. (2024). The nature of the last universal common ancestor and its impact on the early Earth system. Nature Ecology and Evolution, 8, 1654-1666. https://doi.org/10.1038/s41559-024-02461-1
Morowitz, H. J. (1968). Energy Flow in Biology. Academic Press.
Wehbi, S., Wheeler, A., Morel, B., et al. (2024). Order of amino acid recruitment into the genetic code resolved by last universal common ancestor’s protein domains. Proceedings of the National Academy of Sciences, 121(52), e2410311121. https://doi.org/10.1073/pnas.2410311121