Kognitive Voreingenommenheit bei forensischen Sachverständigen: Wie man sie minimiert

Kognitive Voreingenommenheit

Kognitive Voreingenommenheit ist ein weit verbreitetes Phänomen, das auch in der forensischen Wissenschaft nicht unbekannt ist. Sie kann die Objektivität eines forensischen Sachverständigen beeinträchtigen und die Qualität der Ergebnisse, die der Justiz präsentiert werden, mindern. In diesem Artikel werfen wir einen kurzen Blick auf die kognitive Voreingenommenheit bei forensischen Sachverständigen und wie man sie reduzieren kann.

Kognitive Voreingenommenheit beschreibt den Umstand, wenn unbewusste Denkmuster und Vorurteile die Entscheidungsfindung beeinflussen. Im forensischen Kontext kann dies dazu führen, dass Sachverständige ihre Analyse und Interpretation von Beweismaterial in eine bestimmte Richtung lenken, die ihre persönlichen Überzeugungen oder Erwartungen bestätigt.

Um kognitive Verzerrungen bei forensischen Sachverständigen zu minimieren, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  1. Schulung und Sensibilisierung: Forensische Fachleute sollten regelmäßig in den Bereichen der kognitiven Verzerrung und Entscheidungsfindung geschult werden. Dies hilft, das Bewusstsein für mögliche Voreingenommenheiten zu schärfen und fördert ein kritisches Hinterfragen der eigenen Annahmen.
  2. Standardisierung von Verfahren: Durch die Einführung standardisierter Verfahren und Protokolle kann die Objektivität der Analyse verbessert werden. Dies hilft, den Einfluss von persönlichen Vorlieben und Erwartungen auf die Entscheidungsfindung zu begrenzen.
  3. Anonymisierung von Informationen: Wenn möglich, sollten Sachverständige die analysierten Proben ohne Kenntnis von Hintergrundinformationen zum Fall erhalten. Dies verhindert, dass ihr Urteil von irrelevanten Faktoren beeinflusst wird.
  4. Unabhängige Überprüfung: Die Einrichtung von unabhängigen Überprüfungsmechanismen, wie etwa einer Zweitbegutachtung durch einen anderen Experten, kann dazu beitragen, Voreingenommenheit aufzudecken und mögliche Fehler zu korrigieren.
  5. Offenlegung von Interessenkonflikten: Sachverständige sollten mögliche Interessenkonflikte offenlegen, um die Unparteilichkeit und Transparenz ihrer Arbeit sicherzustellen.

Kognitive Voreingenommenheit ist eine menschliche Schwäche, die sich nicht vollständig eliminieren lässt. Dennoch ist es von entscheidender Bedeutung, dass forensische Sachverständige und die Justiz gemeinsam daran arbeiten, ihre Auswirkungen zu minimieren. In einem weiteren Artikel werden wir uns eingehender mit diesem Thema beschäftigen und vertiefende Informationen bereitstellen.

— George A. Rauscher am 08. April 2023

 

Passende Quellen zum Thema:

Kahneman, D. (2011). Schnelles Denken, langsames Denken. Penguin Books.
Risinger, D. M., Saks, M. J., Thompson, W. C., & Rosenthal, R. (2002). The Daubert/Kumho implications of observer effects in forensic science: hidden problems of expectation and suggestion. California Law Review, 90(1), 1-56.
Dror, I. E. (2016). A hierarchy of expert performance. Journal of Applied Research in Memory and Cognition, 5(2), 121-127.
Kassin, S. M., Dror, I. E., & Kukucka, J. (2013). The forensic confirmation bias: Problems, perspectives, and proposed solutions. Journal of Applied Research in Memory and Cognition, 2(1), 42-52.

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