Article

Die Wissenschaft und Ethik der Altersunterschied-Anziehung: Warum ältere Männer sich zu jüngeren Frauen hingezogen fühlen, und wo die Grenze zum Verbrechen verläuft

Jul 1, 2026 | 45 min | anthropology
Language
DE EN
Älterer Mann mit Rolex am Café in italienischer Gasse, Ferrari vorne, junge brunette Frau im weißen Kleid geht vorbei, s/w.

Über die Fortpflanzungsimperative, die in jeder Testosteronkaskade des männlichen Körpers kodiert sind, über die Daten aus 130 Ländern, die die landläufige Erzählung gleichzeitig bestätigen und erheblich verkomplizieren, und über die Distanz zwischen dem, was die Biologie erklärt, und dem, was sie unter keinen Umständen entschuldigt, geschrieben von einem, der aus beruflicher Erfahrung weiß, wie diese Distanz aussieht, wenn man sie überschreitet.

Dieser Beitrag wurde am 01.07.2026 von Grund auf neu überarbeitet, weil ich einmal mehr dazugelernt habe und weil die vorherige Fassung nicht mehr meine eigene Stimme trug, jene Stimme, die mir wichtiger ist als jede glatte Formulierung. Ich habe in den vergangenen Jahren gelernt, meine Gefühle und meine Meinung nicht länger hinter einer neutralen Fassade zu verstecken, sondern sie dort einzubringen, wo sie hingehören, und genau das geschieht in dieser Neufassung.

Wer mich kennt, weiß, dass ich Anfang der 2000er Jahre in einem Feld gearbeitet habe, über das man nicht beim Abendessen spricht, und dass diese Arbeit unter anderem die Auswertung beschlagnahmter Computersysteme umfasste, auf denen sich Material befand, das kein Mensch jemals sehen sollte und das ich dennoch berufsbedingt sehen musste. Die Größenordnung, die ich damals sortierte, kategorisierte und für Gerichte aufbereitete, bewegte sich bei den Fotografien im Bereich von zehntausend bis weit über hunderttausend, und bei den Videos in einer ähnlichen, ebenso schwindelerregenden Spanne, sodass ich am Ende eines Arbeitstages Zahlen im Kopf trug, die sich nicht mehr in Bilder auflösen ließen, weil das Gehirn irgendwann dichtmacht, um zu überleben. Was ich in dieser Zeit empfand, war zuerst eine Ohnmacht, für die ich lange kein Wort fand, jenes lähmende Gefühl, einem Grauen gegenüberzusitzen, das ich dokumentieren, aber nicht ungeschehen machen konnte, und über diese Ohnmacht legte sich sehr bald eine tiefe, körperliche Ablehnung und die eine Frage, die mich nicht mehr losließ, nämlich wie ein Mann so etwas tun und es obendrein noch filmen kann, als wäre das Leid eines Kindes ein Gegenstand, den man aufbewahrt. Ich litt in dieser Zeit häufig unter Schlaflosigkeit, weil sich die Bilder nicht abschalten ließen, sobald das Licht aus war, und meine eigene Sexualität war mir über lange Strecken schlichtweg nicht mehr möglich, weil etwas in mir sich weigerte, in die Nähe von etwas zu geraten, das ich nur noch in seiner monströsen Verzerrung vor Augen hatte. Wer sich das für einen Beruf hineinziehen muss, und ich verwende dieses Wort bewusst, weil es kein sanfteres gibt, der nimmt es für den Rest seines Lebens mit, in einem Winkel des Bewusstseins, der sich nie wieder ganz schließt. In diesem Beitrag geht es allerdings um ein anderes Thema, das mich aus einer tieferen, älteren, anthropologischen Schicht heraus beschäftigt, und das ich seit Jahren aufschieben wollte, weil ich genau wusste, wie leicht es misszuverstehen ist.

Es geht um eine Frage, die fast jeder Mensch schon einmal gedacht, aber selten offen ausgesprochen hat, weil sie sofort in einen moralischen Verdacht führt, der die nüchterne Betrachtung im Keim erstickt. Warum dreht sich ein 60-jähriger Mann, der eigentlich alt genug ist, um es besser zu wissen, und der sich, wenn man den gesellschaftlichen Erwartungen folgt, längst mit Würde in sein Alter fügen sollte, dennoch nach einer 20-Jährigen um, und warum funktioniert dieser Mechanismus so zuverlässig, dass man ihn auf jeder Einkaufsstraße, in jeder Fußgängerzone und an jedem Nachbartisch einer beliebigen Pizzeria beobachten kann. Ich habe mich entschieden, diese Frage so zu behandeln, wie ich jede andere forensische Frage behandle, nämlich kalt, präzise und ohne den Versuch, das Ergebnis vorab an eine genehme Moral anzupassen, weil ich der festen Überzeugung bin, dass die Wahrheit einem Thema mehr Respekt erweckt als jede beruhigende Lüge.

Ich sage jedoch bereits an dieser Stelle, an der ich noch keine einzige Studie zitiert habe, mit vollkommener Unmissverständlichkeit, worum es in diesem Beitrag geht und worum es unter keinen Umständen geht. Es geht um die Anziehung zwischen erwachsenen Menschen, um jenen biologischen Mechanismus, der einen reifen Mann auf eine junge, geschlechtsreife Frau ausrichtet, und es geht um die Frage, wo die Wissenschaft endet und wo die Verantwortung des Einzelnen beginnt. Es geht ausdrücklich nicht darum, den Missbrauch eines Kindes zu erklären, zu relativieren oder gar zu entschuldigen, denn zwischen der legalen Anziehung zwischen Erwachsenen und dem Verbrechen an einem Kind liegt kein gleitender Übergang, sondern ein kategorialer Abgrund, den ich in diesem Text mit derselben Härte markieren werde, mit der ich ihn in jahrzehntelanger forensischer Arbeit erlebt habe. Wer diese beiden Dinge zusammenwirft, das eine als Vorstufe des anderen missversteht oder aus meiner nüchternen Beschreibung des Ersten eine Nachsicht gegenüber dem Zweiten herauslesen will, der hat diesen Beitrag entweder nicht gelesen oder nicht lesen wollen.

Der Blick auf die Straße, den jeder kennt und keiner zugibt

Man sieht sie überall, und man sieht sie mit einer Regelmäßigkeit, die kein Zufall mehr sein kann. Der ältere, gut aussehende Herr im deutschen Sportwagen mit dem Wappen aus Zuffenhausen, neben ihm eine junge Frau, die so viel jünger ist, dass ein unbeteiligter Beobachter im ersten Moment an eine Vater-Tochter-Konstellation denkt, bevor eine Geste, ein Blick oder eine Berührung diese Deutung korrigiert und durch eine andere ersetzt, die manchen Betrachter irritiert. Man liest von prominenten Männern, von Schauspielern, Musikern und Sportlern, deren Lebenspartnerinnen oder Ehefrauen dreißig Jahre jünger sind als sie selbst, und man registriert dabei ein leises gesellschaftliches Achselzucken, das diesen Männern eine Bewunderung entgegenbringt, die derselben Konstellation mit vertauschten Geschlechtern niemals zuteilwürde. Der Mann altert, das ist unstrittig, doch er altert zu einem erstaunlich großen Teil nur äußerlich, während in seinem Innersten, hinter den Falten und dem grauen Haar und der nachlassenden Kraft, oft noch derselbe kleine Junge sitzt, der er mit siebzehn war, nur dass dieser Junge inzwischen reifer, erfahrener und vor allem müder geworden ist.

Hinzu kommt ein Phänomen, das tiefer reicht als jede Sozialisation und jede Erziehung, weil es in den Genen des Mannes verankert ist und dort seit einer Zeitspanne wirkt, die sich der Vorstellungskraft entzieht. Ich möchte an dieser Stelle jene männlichen Moralapostel direkt und ohne Umschweife vor den Kopf stoßen, die bei diesem Thema reflexhaft die Augenbrauen hochziehen und von Widernatürlichkeit sprechen, weil ich aus langer Beobachtung weiß, dass genau diese Herren sich selbst, mich und alle anderen belügen, sobald sie behaupten, ihr Blick bliebe vollkommen unbewegt, wenn eine attraktive Zwanzigjährige in einem Rock, dessen Länge man höflich als sparsam bemessen bezeichnen könnte, an ihnen vorübergeht und ihnen für den Bruchteil einer Sekunde die Fähigkeit zum klaren Denken entzieht. Wer das abstreitet, der lügt, und zwar nicht aus Bosheit, sondern aus jener bequemen Selbsttäuschung, die es erlaubt, sich moralisch über einen Mechanismus zu erheben, dem man selbst unterliegt. Ich schreibe fast täglich, sei es an einem Gutachten, an meinem Buch, hier im Blog oder an wissenschaftlichen Veröffentlichungen, und ich halte dabei so neutral, wie es mir menschenmöglich ist, genau das fest, was ich weiß, was ich denke und was ich fühle, und ich sehe keinen Grund, ausgerechnet bei diesem Thema von dieser Gewohnheit abzuweichen.

Ich gestehe offen, dass ich erhebliche ethische Bedenken hatte, diesen Beitrag überhaupt zu verfassen, weil ich sehr genau weiß, in welche Ecke man gestellt wird, sobald man dieses Feld auch nur betritt und die Dinge beim Namen nennt. Da ich jedoch neutral bin, neutral sein muss und es mir aufrichtig gleichgültig ist, was andere Menschen über mich denken, solange ich mit meinem eigenen Gewissen im Reinen bleibe, schreibe ich diesen Beitrag so, wie die Sache tatsächlich liegt, und überlasse die moralische Empörung denen, die sie brauchen.

Der Algorithmus ist real, und 130 Länder haben ihn vermessen

Beginnen wir dort, wo die Wissenschaft tatsächlich beginnt, und das ist nicht das Gerichtsgutachten, sondern einer der am häufigsten replizierten Befunde der gesamten kulturvergleichenden Psychologie, dessen Robustheit selbst seine schärfsten Kritiker inzwischen anerkennen müssen. David Buss rekrutierte im Jahr 1989 für eine Studie, die seit über drei Jahrzehnten ein Referenzpunkt des Fachs geblieben ist, insgesamt 10.047 Teilnehmer aus 37 kulturellen Stichproben, die über 33 Länder verteilt waren, und er untersuchte an dieser gewaltigen Datenbasis die Frage, welche Eigenschaften Männer und Frauen bei der Partnerwahl tatsächlich gewichten. Das Ergebnis fiel mit einer Deutlichkeit aus, die in den Sozialwissenschaften selten ist, denn in jeder einzelnen dieser 37 Kulturen gewichteten Männer Jugend und physische Attraktivität stärker, während Frauen den sozialen Status und die Erwerbsfähigkeit eines potenziellen Partners höher bewerteten, ein Muster, das sich in den folgenden 35 Jahren durch Replikation, Erweiterung und intensivste Kritik hindurch als Befund behauptet hat, auch wenn die Interpretation dieses Befundes bis heute Gegenstand einer vollkommen legitimen wissenschaftlichen Debatte bleibt.

Eine erheblich neuere Untersuchung mit einer noch größeren Datenbasis hat die Richtungskonsistenz dieses Musters eindrucksvoll bestätigt und zugleich seine kulturelle Bandbreite sichtbar gemacht. Josh Ausubel und seine Kollegen vom Pew Research Center analysierten im Jahr 2022 Daten aus 130 Ländern und stellten fest, dass in jeder untersuchten Religionsgruppe und auf jedem untersuchten Kontinent die Männer im Durchschnitt älter waren als ihre weiblichen Partnerinnen, wobei der weltweite Mittelwert dieses Abstands bei 4,2 Jahren lag. Die regionale Streuung um diesen Mittelwert war jedoch beträchtlich und ausgesprochen aufschlussreich, denn während Nordamerika mit einem durchschnittlichen Abstand von 2,2 Jahren und Europa mit 2,7 Jahren am unteren Ende der Skala lagen, verzeichneten die Länder südlich der Sahara Werte, die weit oberhalb dieser Marke lagen. In keinem einzigen der 130 untersuchten Länder waren die Männer im statistischen Durchschnitt jünger als oder gleich alt wie ihre Partnerinnen, was die Universalität der Richtung unterstreicht, ohne dass diese Universalität etwas über die konkrete Größe des Abstands in einer bestimmten Gesellschaft aussagen würde.

Eine speziell auf den europäischen Raum zugeschnittene Untersuchung von Gottfried und Kollegen, die im Jahr 2024 in der Fachzeitschrift Personal Relationships erschien und auf den Daten von 35.996 Teilnehmern der europaweiten SHARE-Erhebung beruhte, förderte eine besonders aufschlussreiche Dynamik zutage. Für Männer sank das projizierte Alter ihrer bevorzugten Partnerin um annähernd ein Jahr für jeweils fünf Lebensjahre, die sie selbst hinzugewannen, was in der konkreten Anschauung bedeutet, dass ein 70-jähriger Mann in dieser Stichprobe im Durchschnitt eine etwa 58-jährige Partnerin bevorzugte, während eine 70-jährige Frau im selben Datensatz im Mittel einen rund 68,5-jährigen Partner wählte und damit einen weitaus kleineren Abstand nach unten zuließ. Frauen zeigten also durchaus einen vergleichbaren Effekt, doch er fiel erheblich schwächer aus und blieb stets näher am eigenen Lebensalter verankert, ein Unterschied in der Verschiebungsrichtung, der sich über mehrere unabhängige Datensätze hinweg dokumentieren lässt und sich durch reine soziale Konditionierung allein nicht überzeugend erklären lässt.

Diese Zahlen sind demografische Tatsachen und keine ideologischen Setzungen, und gerade weil sie so unbequem neutral sind, verlangen sie nach einer Erklärung, die tiefer greift als der bequeme Verweis auf gesellschaftliche Prägung, so real diese Prägung im Einzelfall auch sein mag.

Wie es früher wirklich war, jenseits des bequemen Klischees

Wer glaubt, der große Altersabstand sei eine Marotte reicher alter Männer der Gegenwart, der irrt, und wer umgekehrt glaubt, früher habe schlichtweg jeder Mann eine dreißig Jahre jüngere Frau geheiratet, irrt genauso, denn die historische Wirklichkeit ist verwickelter und gerade deshalb interessanter als beide Klischees zusammen. Der Demograf John Hajnal beschrieb im Jahr 1965 ein Muster, das die Forschung bis heute beschäftigt, nämlich eine gedachte Linie, die sich quer durch Europa von Sankt Petersburg bis Triest zog und die den Kontinent in zwei vollkommen verschiedene Heiratswelten teilte. Westlich dieser Linie, also in England, in den Niederlanden, in Nordfrankreich, in Teilen Skandinaviens und Deutschlands, heirateten die Menschen seit dem sechzehnten Jahrhundert auffällig spät, die Frauen im Schnitt mit etwa 25 und die Männer mit etwa 26 Jahren, der Abstand zwischen den Eheleuten blieb klein, und ein erheblicher Teil der Bevölkerung, bis zu einem Drittel, heiratete überhaupt nie. Dieses nordwesteuropäische Muster war das genaue Gegenteil dessen, was viele Menschen heute für die uralte und natürliche Regel halten, denn es beruhte auf annähernd gleichaltrigen Partnern, auf einem eigenen Hausstand und auf einer für die damalige Zeit ungewöhnlich starken Mitsprache der Frau, und es ist keine Erfindung der Moderne, sondern viele Jahrhunderte alt.

Südlich und östlich dieser Linie jedoch sah die Welt vollkommen anders aus, und genau dieser Kontrast ist der Punkt, auf den es mir hier ankommt. Im Florenz des fünfzehnten Jahrhunderts, dessen Steuerregister aus dem Jahr 1427 uns dank der akribischen Arbeit von David Herlihy und Christiane Klapisch-Zuber eine ungewöhnlich präzise Momentaufnahme einer ganzen Gesellschaft liefert, heirateten die Frauen im Mittel mit etwa 18 Jahren, während die Männer erst mit 28 bis 30 Jahren an die Ehe dachten, woraus sich ein durchschnittlicher Altersabstand von 10 bis 12 Jahren ergab. In weiten Teilen Osteuropas wurde noch früher und mit noch größeren Abständen geheiratet, und die Ehe war dort nahezu universell, die dauerhafte Ehelosigkeit also die seltene Ausnahme. Der gesellschaftlich akzeptierte Altersabstand zwischen Eheleuten ist demnach keine biologische Konstante, sondern eine historisch und geografisch bewegliche Größe, und diese Einsicht schneidet in beide Richtungen zugleich, denn sie entzieht dem empörten Ruf nach der ewigen Widernatürlichkeit ebenso den Boden wie der bequemen Behauptung, es sei doch ohnehin immer schon so gewesen. Wo die Bräute allerdings nicht 18, sondern erheblich jünger waren, und solche Konstellationen hat es in verschiedenen Kulturen und Epochen durchaus gegeben, da verläuft genau jene Grenze, deren Ziehung die eigentliche Leistung der Zivilisation war, und von dieser Grenze handelt der letzte Teil dieses Beitrags.

Trivers, die elterliche Investition und die kalte Logik der Fortpflanzung

Die evolutionsbiologische Standarderklärung für dieses weltweit messbare Muster nimmt ihren Ausgang bei Robert Trivers und seiner Theorie der elterlichen Investition aus dem Jahr 1972, die zu den einflussreichsten Arbeiten der Biologie des zwanzigsten Jahrhunderts gezählt wird und deren Grundgedanke von einer bestechenden, fast unangenehmen Klarheit ist. Trivers erkannte, dass jenes Geschlecht, das in die Fortpflanzung mehr investiert, gemessen an Zeit, an Energie und an biologischem Risiko, bei der Partnerwahl notwendigerweise wählerischer sein wird, während das Geschlecht mit der geringeren Investition stärker um den Zugang zum stärker investierenden Geschlecht konkurrieren muss. Beim Menschen ist diese Asymmetrie besonders ausgeprägt und physiologisch fest verankert, weil das reproduktive Potenzial einer Frau durch die begrenzte Zahl ihrer Eizellen definiert ist, in den frühen dreißiger Jahren messbar nachlässt und mit der Menopause vollständig endet, während das reproduktive Potenzial eines Mannes, das auf einer kontinuierlichen Spermienproduktion beruht, sehr viel langsamer abnimmt und sich erheblich weiter in das Leben hinein erstreckt, auch wenn die Qualität dieser Spermien mit zunehmendem Alter auf klinisch nachweisbare Weise sinkt.

Aus dieser grundlegenden Asymmetrie leitet die Evolutionstheorie die Vorhersage ab, dass Männer über die Tiefenzeit der Menschwerdung hinweg psychologische Mechanismen ausgebildet haben, die auf verlässliche Hinweise weiblicher Fruchtbarkeit ausgerichtet sind, und dass diese Hinweise fast durchweg mit Jugend korrelieren, weil eine junge Frau aus rein biologischer Sicht eine schnellere, sicherere und komplikationsärmere Schwangerschaft durchlaufen kann als eine Frau jenseits der vierzig, deren Fruchtbarkeit bereits deutlich zurückgegangen ist und deren Schwangerschaften mit statistisch höheren Risiken für Mutter und Kind einhergehen. Zu den Hinweisen, auf die der männliche Blick reagiert, ohne dass dem Mann dieser Vorgang bewusst wäre, gehören die reine Haut als Indikator hormoneller Gesundheit, die Symmetrie des Gesichts als Korrelat entwicklungsbiologischer Stabilität und das Verhältnis von Taille zu Hüfte als anatomischer Hinweis auf reproduktive Kapazität. Es handelt sich dabei nicht um Vorlieben, die ein Mann bewusst und mit freiem Willen auswählt, sondern es handelt sich, in der präzisen Sprache der Evolutionspsychologie, um Anpassungen, also um Präferenzen, die über die Tiefenzeit der Evolution hinweg häufig genug den Fortpflanzungserfolg gesteigert haben, um zu einem charakteristischen Merkmal der Spezies zu werden.

Kenrick und Keefe bestätigten im Jahr 1992 in einer sorgfältigen Analyse, dass die männlichen Alterspräferenzen bei der tatsächlichen Partnerwahl, und ausdrücklich nicht bei den bloß geäußerten Wünschen, konstant auf Frauen im Bereich der höchsten Fruchtbarkeit ausgerichtet bleiben, und zwar auch dann, wenn die Männer selbst immer älter werden, während sich die Präferenzen der Frauen mit dem eigenen Alter verschieben und tendenziell Männern folgen, die etwas älter sind, aber relativ nah am eigenen Lebensalter bleiben. Diese Asymmetrie in der Art und Weise, wie sich die Alterspräferenzen bei den beiden Geschlechtern über die Lebensspanne verschieben, ist über mehrere voneinander unabhängige Datensätze hinweg belegt und lässt sich nicht plausibel allein durch die soziale Konditionierung einer bestimmten Kultur erklären, weil sie in Kulturen auftaucht, die in fast jeder anderen Hinsicht kaum etwas gemeinsam haben.

Die ernstzunehmende Kritik an diesem Erklärungsrahmen, und sie kommt bezeichnenderweise aus der Evolutionsbiologie selbst und nicht von ihren ideologischen Gegnern, bezieht sich nicht auf die Existenz des Musters, die kaum zu bestreiten ist, sondern auf die Vollständigkeit der Kausalgeschichte. Moderne Verhütungsmittel haben in den entwickelten Ländern seit rund siebzig Jahren den Sex von der Fortpflanzung entkoppelt, was bedeutet, dass die fruchtbarkeitsverfolgenden Mechanismen, sofern sie existieren, ihre Präferenzen heute in einer reproduktiven Umgebung erzeugen, die jener, in der sie sich einst entwickelt haben, in keiner Weise mehr ähnelt. Dieser Umstand ist deshalb bedeutsam, weil ein evolutionär geformter Algorithmus in einer vollkommen neuen Umgebung durchaus suboptimale oder sogar aktiv schädliche Ausgaben produzieren kann, während er dennoch ein echtes und tief verankertes Merkmal der menschlichen Psychologie bleibt. Ob eine solche Ausrichtung im Europa des einundzwanzigsten Jahrhunderts, in dem die allermeisten dieser Partnerschaften ohnehin keine Kinder mehr hervorbringen werden, noch angemessen ist, ist eine Frage, die die Evolutionstheorie prinzipiell nicht beantworten kann, weil die Evolutionstheorie beschreibt, was ist, und niemals vorschreibt, was sein soll.

Was das Gehirn tatsächlich liest, und warum es damit nicht aufhören kann

Die neurobiologische Grundlage dieser Präferenzen ist inzwischen so gut dokumentiert, dass man sie nicht mehr guten Gewissens ignorieren kann, und sie beginnt beim Testosteron, jenem primären Androgen, das in der Physiologie beider Geschlechter wirkt, wenn auch in dramatisch unterschiedlichen Konzentrationen, und das eng mit der männlichen Ausrichtung auf Fruchtbarkeitshinweise verknüpft ist. Untersuchungen aus der Arbeitsgruppe um James Roney haben dokumentiert, dass die Testosteronspiegel von Männern messbar auf kurze soziale Interaktionen mit Frauen reagieren und dass diese hormonelle Reaktion durch die wahrgenommene Attraktivität und das Alter der beteiligten Frauen moduliert wird, was eine neuroendokrine Rückkopplungsschleife beschreibt, deren Eigenschaften alles andere als harmlos sind. Das Testosteron verstärkt nämlich einerseits die Wahrnehmung von Attraktivitätshinweisen, und es wird andererseits durch die Exposition gegenüber genau diesen Hinweisen weiter verstärkt, sodass ein System entsteht, das sich nicht selbst korrigiert, sondern sich unter den passenden Bedingungen selbst aufschaukelt.

Die Dopamindimension dieses Vorgangs ist von mindestens ebenso großer Bedeutung, weil sie erklärt, warum das Begehren eine so zwingende, fast körperlich unausweichliche Qualität besitzt. Die Exposition gegenüber einer attraktiven jungen Person aktiviert das ventrale tegmentale Areal und den Nucleus accumbens, also jene Kernstrukturen des dopaminergen Belohnungssystems, deren Aktivierung die neurochemische Signatur der vorweggenommenen Freude erzeugt, die auch für die Erwartung von Nahrung, für das Glücksspiel und, in erhöhter Intensität, für den Drogenkonsum charakteristisch ist. Dies ist ausdrücklich keine literarische Metapher, sondern eine Aussage über physische Schaltkreise, denn die zugrunde liegende Maschinerie ist in allen genannten Fällen dieselbe, und das bedeutet in der praktischen Konsequenz, dass die subjektive Erfahrung der Anziehung, die ein älterer Mann gegenüber einer jungen Frau empfindet, auf der neuronalen Ebene mit einem bloßen Willensakt ähnlich schwer aufzulösen ist wie das Verlangen nach Nahrung durch die reine Information über den Nährwert einer Speise. Das Gehirn verarbeitet das Begehren und das rationale Gegenargument schlichtweg nicht über dieselben Bahnen, was jeden Appell an die reine Vernunft an dieser Stelle strukturell unterlegen macht.

An diesem Punkt steuert die Terror-Management-Theorie, die von Greenberg, Pyszczynski und Solomon in den 1980er Jahren entwickelt wurde, eine Dimension bei, die eine rein reproduktionsbiologische Betrachtung vollständig übersehen würde. Diese Theorie schlägt vor, dass Menschen als Reaktion auf das quälende Bewusstsein ihrer eigenen Sterblichkeit psychologische Abwehrmechanismen ausbilden, und dass einer dieser Mechanismen in der Nähe zu Entitäten besteht, die Jugend, Vitalität und eine noch weit offene zeitliche Zukunft verkörpern. Die Anziehung eines älteren Mannes zu einer erheblich jüngeren Frau kann in diesem Deutungsrahmen eine zusätzliche Schicht tragen, die mit der Fortpflanzung nicht das Geringste zu tun hat, nämlich die psychologische Erleichterung, die aus der Nähe zu einem Menschen erwächst, dessen Lebenshorizont noch sehr viel weiter entfernt liegt als der eigene. Dies ist keine bewusste Kalkulation, die ein Mann anstellen würde, sondern es taucht als diffuses Gefühl auf, und es ist aufrichtig schwer, dieses Gefühl von anderen Arten der Zuneigung sauber zu unterscheiden, weil es sich exakt wie diese anfühlt.

Von der anderen Seite des Altersunterschieds her betrachtet kompliziert der präfrontale Kortex dieses ohnehin schon vielschichtige Bild noch einmal auf eine Weise, die in keiner ehrlichen Erörterung fehlen darf. Der präfrontale Kortex, jene Hirnregion, die für Impulskontrolle, für langfristige Planung und für das Abwägen von Konsequenzen zuständig ist, schließt seine Myelinisierung und funktionale Reifung nicht etwa mit dem Ende der Pubertät ab, sondern erst um das fünfundzwanzigste Lebensjahr herum, ein Umstand, der unter anderem durch die Arbeiten von Casey, Jones und Hare rigoros etabliert wurde. Eine 19-Jährige, die eine Entscheidung über eine Beziehung mit einem 45-Jährigen trifft, tut dies also mit einer neuronalen Ausstattung, die für die Bewertung langfristiger beziehungsbezogener Konsequenzen unter Bedingungen erheblicher Ressourcen- und Erfahrungsasymmetrie noch gar nicht vollständig ausgerüstet ist, was weder eine Entschuldigung noch ein Determinismus ist, sondern schlicht ein Datum, das in jedem aufrichtigen Gespräch über die Einwilligungsfähigkeit in Beziehungen mit großem Altersunterschied präsent sein sollte, ohne dass es dort die einzige relevante Größe wäre. Der Wille kommt in dieser Kette immer zu spät.

Halo-Effekt, Bestätigungsfehler und die stille Arbeit der Verzerrung

Mehrere gut dokumentierte kognitive Verzerrungen verbinden sich mit diesem neurobiologischen Bild auf eine Weise, die es wert ist, präzise benannt zu werden, weil sie erklären, warum die beschriebenen Präferenzen selbst in solchen Umgebungen fortbestehen und sich sogar verstärken, in denen die reproduktive Logik, die sie einst hervorgebracht hat, längst vollständig abwesend ist. Der Halo-Effekt, den Edward Thorndike bereits im Jahr 1920 in seinen Untersuchungen zur Bewertung von Soldaten durch ihre Offiziere erstmals dokumentierte, beschreibt die menschliche Neigung, eine positive Einschätzung, die auf einem einzigen auffälligen Merkmal beruht, ungeprüft auf die gesamte Person zu übertragen. Im Kontext der Anziehung führt dieser Effekt dazu, dass die visuell auffälligen Marker der Jugend eine ganze Kaskade generalisierter positiver Bewertungen von Persönlichkeit, Intelligenz und Charakter auslösen, für die es nicht die geringste sachliche Grundlage gibt.

Die junge Frau am Nachbartisch der Pizzeria, die der ältere Herr im Vorübergehen registriert, während vor ihm eine Pizza und ein Glas Wasser stehen, wird von ihm nicht aufgrund ihrer Persönlichkeit bewertet, die ihm vollständig unbekannt ist, und auch nicht aufgrund ihrer Werte, die ihm ebenso unbekannt sind, sondern ausschließlich aufgrund physischer Merkmale, die in seinem Kopf eine Kaskade wohlwollender Zuschreibungen in Gang setzen, welche mit der realen Person am Nachbartisch nicht das Geringste zu tun haben müssen. Das ist kein Charakterfehler des Herrn, sondern es ist der Halo-Effekt, der genau so arbeitet, wie er immer arbeitet, und das bloße Wissen um seine Existenz bringt ihn nicht dazu, seine Arbeit einzustellen. Der bloße Wiederholungseffekt, den Robert Zajonc im Jahr 1968 nachwies, verstärkt dieses Bild zusätzlich, weil die wiederholte Konfrontation mit einem bestimmten Reiz die Vorliebe für diesen Reiz unabhängig von seinen tatsächlichen Eigenschaften erhöht. In einer Medienlandschaft, die junge Frauen in romantischen Kontexten unablässig mit älteren, mächtigen Männern zusammenstellt, erwirbt genau diese Paarung allein durch ihre ständige Wiederholung eine Vertrautheit, die das Gehirn als normal verbucht, wobei normal in diesem Zusammenhang etwas anderes bedeutet als natürlich im biologisch strengen Sinne.

Der Bestätigungsfehler schließlich sorgt dafür, dass eine einmal etablierte Präferenz sich selbst gegen widersprechende Belege immunisiert, weil Informationen, die die Präferenz stützen, systematisch stärker gewichtet werden als solche, die ihr widersprechen. Ein Mann mit einer starken Vorliebe für erheblich jüngere Frauen wird daher dazu neigen, Anzeichen mangelnder Übereinstimmung abzuwerten, Generationsunterschiede als charmant statt als problematisch umzudeuten und die Unterordnung der jüngeren Partnerin als Beweis einer harmonischen Charakterkompatibilität zu interpretieren, statt sie als mögliches Artefakt eines bestehenden Machtgefälles zu erkennen, was ihn in einer Selbsttäuschung gefangen hält, die sich mit jeder Bestätigung weiter festigt. Wissen allein hält diese Mechanik nicht auf.

Wirtschaftliche Gleichheit verschiebt die Bedingungen

Die kulturübergreifende Universalität der Richtung ist real und gut belegt, doch die konkrete Größe des Altersabstands ist keineswegs biologisch fixiert, und die Belege dafür, was diese Größe in einer bestimmten Gesellschaft antreibt, sind ausgesprochen aufschlussreich. Der Abstand fällt nämlich dort am kleinsten aus, wo die Gesellschaften wirtschaftlich am gleichsten sind, und er wächst genau dort am stärksten, wo Frauen über die geringste wirtschaftliche Unabhängigkeit verfügen, was kein statistischer Störfaktor ist, den man wegrechnen müsste, sondern ein Signal, das man ernst nehmen sollte. In den nordeuropäischen Ländern, in denen die Erwerbsbeteiligung, das Bildungsniveau und die Einkommen von Frauen annähernd die Parität mit den Männern erreicht haben, liegt der durchschnittliche Altersabstand zwischen den Ehepartnern unter zwei Jahren, während er in bestimmten Regionen südlich der Sahara, in denen eine schwere wirtschaftliche Abhängigkeit der Frauen mit einem hohen Fortpflanzungsdruck zusammentrifft, die Marke von zehn Jahren deutlich überschreitet. Die Analyse der Daten aus 130 Ländern ergab, dass konfessionslose Paare mit einem durchschnittlichen Abstand von 2,3 Jahren am unteren Ende der Skala standen, während muslimisch geprägte Gemeinschaften mit 6,6 Jahren den größten Abstand aufwiesen, ein Muster, das eng mit den Indikatoren weiblicher Bildungs- und Wirtschaftsbeteiligung korreliert und daher weit mehr über soziale Strukturen als über Biologie aussagt.

Dies führt uns zu der Einsicht, dass die Evolutionsbiologie, welche Rolle sie im Einzelnen auch spielen mag, ganz gewiss nicht in einem luftleeren Raum operiert, sondern von kulturellen Strukturen entweder verstärkt oder gedämpft wird. Kulturelle Arrangements, die die wirtschaftlichen Optionen von Frauen beschneiden, erhöhen den handfesten Vorteil, den eine Verbindung mit einem wohlhabenderen älteren Mann bietet, und sie verringern zugleich die Fähigkeit der Frauen, ihre Präferenzen unabhängig von diesen materiellen Zwängen auszuüben. Genau dies ist jener Teil der Geschichte, den die Evolutionspsychologie mit ihrer Konzentration auf universelle Mechanismen tendenziell unterschätzt, und den umgekehrt die Soziologie und die feministische Theorie mit ihrer Konzentration auf strukturelle Ungleichheiten tendenziell überbewerten, indem sie das gesamte Phänomen so behandeln, als ließe es sich restlos auf patriarchale Kontrolle zurückführen. Beide Lager haben in ihren jeweiligen Beobachtungen teilweise recht, und beide sind in ihren Erklärungen unzureichend vollständig, was für ein so vielschichtiges Phänomen kaum überraschen sollte.

Das Konzept der Hypergamie, also die statistische Neigung von Frauen, sich mit Männern gleichen oder höheren sozialen Status zu verbinden, ist kulturübergreifend dokumentiert, auch wenn seine Interpretation umstritten bleibt. Die ressourcenbasierte Theorie der Partnerwahl hält diese Präferenz, ganz analog zur männlichen Fruchtbarkeitsorientierung, für eine evolutionär geformte Strategie, während die sozialstrukturelle Theorie in ihr die rationale Reaktion von Frauen mit begrenzten wirtschaftlichen Optionen auf einen Markt sieht, auf dem männliche Ressourcen Sicherheit versprechen. Die ehrliche Antwort lautet aller Wahrscheinlichkeit nach, dass beide Prozesse gleichzeitig wirken, dass sie sich empirisch nur schwer voneinander trennen lassen und dass der relative Beitrag des einen wie des anderen sich mit wachsender wirtschaftlicher Gleichheit spürbar verschiebt.

Das Hamsterrad und die müde Wahrheit über das Begehren

An dieser Stelle muss ich eine Beobachtung einflechten, die in keiner der zitierten Studien steht, weil sie aus einer anderen Quelle stammt, nämlich aus dem nüchternen Blick auf das tatsächliche Leben erwachsener Männer im einundzwanzigsten Jahrhundert. Der männliche Homo sapiens lebt heute in einem Hamsterrad aus beruflichen Verpflichtungen, finanziellen Zwängen und permanenter Erschöpfung, das ihm derart viel Energie entzieht, dass die theoretisch vorhandene Neigung zur jüngeren Partnerin in der Praxis oft gar nicht erst zum Zuge kommt, weil schlicht die Kraft dafür fehlt. Der reifer gewordene kleine Junge, der in ihm steckt, weiß aus Erfahrung, was viele jüngere Männer noch lernen müssen, nämlich dass einer kurzen Episode des Vergnügens in aller Regel eine sehr viel längere Phase der Komplikationen folgt, und diese Rechnung fällt mit zunehmendem Alter immer eindeutiger zuungunsten des Abenteuers aus.

Der kleine Junge im Inneren des Mannes ist also nicht verschwunden, aber er ist reif geworden, er ist müde geworden, und er weiß inzwischen erheblich mehr über die Welt und über sich selbst, als er mit zwanzig wusste. Eine zwanzigjährige Frau hingegen weiß über das Leben noch fast nichts, was keine Herabsetzung ist, sondern eine schlichte Funktion der wenigen Jahre, die sie bislang auf der Welt verbracht hat, auch wenn sie durchaus die biologische Veranlagung zur sexuellen Anziehung auf ein älteres Individuum in sich tragen kann. In diese Anziehung mischen sich nicht selten auch materielle Erwägungen, weil die Sicherheit, die ein etablierter älterer Mann bieten kann, für eine junge Frau mit begrenzten eigenen Mitteln einen realen Wert darstellt, den zu leugnen unehrlich wäre. Es gibt durchaus junge Frauen, die sich aufrichtig und ohne jedes Kalkül zu reifen, erfahrenen Männern hingezogen fühlen, und es gibt ebenso junge Frauen, die eine geradezu instinktive Abneigung gegen solche Konstellationen empfinden und sich fragen, wie die einen so empfinden können, wie sie empfinden. Auch diese Bandbreite weiblichen Empfindens ist ein legitimer Gegenstand der Forschung, und die vorliegenden Befunde deuten darauf hin, dass die Präferenzen von Frauen ebenso real und ebenso variabel sind wie jene der Männer, nur eben mit einer anderen statistischen Verteilung.

Man wird mich also oft fragen, und man hat mich in der Tat schon oft gefragt, ob das denn noch normal sei, dieser Altersunterschied von dreißig Jahren, wenn man von einem 80-jährigen Schauspieler aus Hollywood liest, dessen Ehefrau gerade einmal sechsunddreißig Jahre zählt. Meine Antwort auf diese Frage fällt so unbequem wie eindeutig aus, denn ja, das ist noch normal, sofern der alte Mann mit dem kleinen Jungen in seinem Inneren noch über die Nerven verfügt, die für die tägliche Reibung nötig sind, die aus einem derart großen Altersunterschied zwangsläufig erwächst, wenn zwei Menschen aus völlig verschiedenen Lebensphasen den Alltag miteinander teilen wollen.

Ich will an dieser Stelle nicht so tun, als betrachtete ich all das aus sicherer Distanz, als beträfe mich das Phänomen selbst nicht, denn die Frau an meiner Seite ist rund 10 Jahre jünger als ich, und ich betrachte diesen Umstand mit einer gewissen heiteren Dankbarkeit, weil die Rechnung, so makaber sie beim ersten Hören klingt, in meinem Fall ausgesprochen erfreulich aufgeht, denn wenn ich einmal 90 sein werde, ist sie erst 80 und kann im Zweifel noch die Einkäufe erledigen. Doch selbst bei diesen bescheidenen 10 Jahren, die in keiner einzigen Statistik dieses Beitrags auch nur einen messbaren Ausschlag erzeugen würden, entsteht eine Reibung, die ich nicht verschweigen will, und diese Reibung hat nicht das Geringste mit dem Alter der Haut zu tun, sondern mit der Distanz zwischen Wissen und Erfahrung, und ehrlich gesagt liegt der anstrengendere Teil dieser Gleichung bei mir und nicht bei ihr. Ich bin ein Mensch, der sich täglich 8 Stunden weiterbildet, der Wissen in sich aufsaugt, wie ausgetrockneter Boden das erste Wasser nach der Dürre aufnimmt, und für den das logische Denken so unverzichtbar zum Tag gehört wie der erste Kaffee am Morgen, und genau diese Eigenschaft, die ich niemandem als Tugend verkaufen will, weil sie im Zusammenleben ebenso oft eine Zumutung ist, erzeugt eine ständige Reibung mit einem Menschen, der aus einer etwas anderen Zeit stammt und die Welt durch ein leicht anderes Fenster betrachtet. Man stelle sich diese Reibung nun mit einer 20-Jährigen vor, zwischen der und mir, der ich 56 bin, nicht 10, sondern 36 Jahre und mindestens zwei vollständige Bildungsbiografien lägen, und man begreift augenblicklich, dass das eigentliche Problem einer solchen Konstellation niemals die Jugend der Frau wäre, sondern der Abgrund zwischen zwei Erfahrungswelten, der sich mit keinem noch so aufrichtigen Willen überbrücken ließe, weshalb die tägliche Reibung, von der ich eben sprach, kein abstraktes Konzept ist, sondern eine sehr reale Anforderung an die Nervenkraft beider Beteiligter.

Der forensische Befund, den keine Biologie entschuldigt

Ich habe die evolutionsbiologischen, die neurowissenschaftlichen und die kulturvergleichenden Befunde bis hierher so ausführlich dargestellt, weil man sie kennen muss, um den entscheidenden Punkt zu verstehen, und dieser Punkt lautet, dass alle diese Befunde ausnahmslos von Tendenzen, von Verteilungen und von Durchschnittswerten in großen Populationen sprechen. Sie sagen nicht das Geringste darüber aus, ob eine bestimmte einzelne Beziehung einvernehmlich, gerecht oder legal ist, und genau an diesem Übergang von der populationsweiten Statistik zur Aussage über den Einzelfall gehen nach meiner langjährigen forensischen Erfahrung die Argumente in beide Richtungen regelmäßig in die Irre. Ich bin in meiner Arbeit mit digitalen Beweismitteln mehr als einmal auf eine bestimmte Spezies von Verteidigungsschrift gestoßen, die aus einem sorgfältig zusammengetragenen Stapel evolutionspsychologischer Literatur den Schluss ziehen wollte, die Anziehung des Angeklagten zu erheblich jüngeren Personen sei keine Pathologie, sondern ein über Jahrmillionen geformtes Merkmal des männlichen Gehirns, weshalb von krimineller Absicht im eigentlichen Sinne keine Rede sein könne, wenn doch die Biologie selbst der Architekt dieser Neigung sei.

Dieses Argument scheitert aus einem Grund, der sofort offensichtlich würde, wenn man dieselbe Logik auf ein beliebiges anderes Feld anwenden würde. Die Aggressivität ist ebenfalls ein evolutionär geformtes Merkmal mit umfangreicher kulturübergreifender Dokumentation, und ebenso ist es die Neigung, die Angehörigen der eigenen Gruppe bei der Verteilung von Ressourcen gegenüber Fremden zu bevorzugen, doch niemand käme auf den Gedanken, die dokumentierte Universalität dieser Neigungen als Verteidigung dafür anzuführen, ihnen in einem Kontext nachgegeben zu haben, in dem dies schädlich, nicht einvernehmlich oder schlicht illegal war. Die Evolution erzeugt den Appetit, doch das Gesetz und die Ethik regeln, was ein Mensch mit diesem Appetit tatsächlich anstellt, und diese Regelung ist keine willkürliche Bevormundung, sondern die Grundlage jedes zivilisierten Zusammenlebens. Die Fälle, die im Zusammenhang mit der Ausbeutung von Altersunterschieden durch meine forensische Prüfung gegangen sind, und es waren nicht wenige, teilen strukturelle Merkmale, die mit Evolutionsbiologie nicht das Geringste und mit der systematischen Ausnutzung einer asymmetrischen Macht alles zu tun haben.

Ein Vermögensgefälle, ein Statusgefälle, eine über die Zeit sorgsam kultivierte emotionale Abhängigkeit, die kontrollierte Steuerung der Informationen und der sozialen Kontakte einer jüngeren Person sowie der gezielte Einsatz materieller Mittel, um Bedingungen zu schaffen, unter denen ein Ausstieg aus der Beziehung praktisch unmöglich wird, sind die tatsächlichen Mechanismen der Ausbeutung, und diese Mechanismen sind nicht natürlich, sondern durch und durch absichtsvoll. Ich erinnere mich an einen Fall aus meiner Praxis, dessen Einzelheiten ich aus naheliegenden Gründen nicht schildere, in dem am Ende ein einziger physischer Befund genügte, um eine Tat zu belegen, die zuvor mit der ganzen Beredsamkeit der Verharmlosung bestritten worden war, und das Geständnis folgte, kaum dass der Befund auf dem Tisch lag. Ich habe in solchen Momenten gelernt, dass die Sprache der Täter geschmeidig ist und die Sprache der Spuren nicht, und dass genau in dieser Differenz die forensische Arbeit ihren Sinn findet. Diese Mechanismen operieren zudem häufig innerhalb von Beziehungen, die im technischen Sinne vollkommen legal sind, und genau deshalb müssen die rechtliche Frage und die ethische Frage sorgfältig auseinandergehalten werden, weil das eine das andere weder ersetzt noch aufhebt. Die Datenlage zum präfrontalen Kortex ist an dieser Stelle auf eine spezifische Weise relevant, denn eine Achtzehnjährige ist in den meisten Rechtsordnungen eine Erwachsene und darf über ihr Leben selbst bestimmen, doch dieselbe Achtzehnjährige trifft ihre Entscheidungen über eine Beziehung mit einem Fünfundfünfzigjährigen mit einer neuronalen Ausstattung, deren Reifung erst in sieben weiteren Jahren abgeschlossen sein wird. Das macht eine solche Beziehung nicht illegal, doch es bedeutet, dass der Rahmen der informierten Einwilligung, der für zwei gleichaltrige Erwachsene ohne Weiteres angemessen ist, sich nicht bruchlos auf Beziehungen übertragen lässt, in denen die entwicklungsbezogene und die erfahrungsbezogene Asymmetrie derart groß ausfällt.

Die feministische Kritik, ihre starken und ihre schwachen Teile

Die feministische Kritik an Beziehungen mit großem Altersunterschied ist kein einheitliches Gebilde, und es lohnt sich, ihre empirisch gut begründeten Teile von jenen zu trennen, die einer nüchternen Prüfung nicht standhalten. Zu den gut begründeten Teilen gehört die Beobachtung, dass die systematische Abwertung alternder Frauen als Partnerinnen bei gleichzeitiger Aufwertung alternder Männer zu distinguierten Persönlichkeiten ein rein kulturelles Artefakt ohne jede biologische Notwendigkeit ist, das mit erheblichem und gut dokumentiertem Schaden einhergeht. Die Tatsache, dass eine ältere Frau, die einen jüngeren Mann begehrt, sozial als bemitleidenswert oder gar als raubtierhaft kodiert wird, während ein älterer Mann, der eine jüngere Frau begehrt, sozial als erfolgreich und beneidenswert gilt, ist kein Produkt der Evolutionsbiologie, sondern das Produkt einer kulturellen Kodierung, die mit zweierlei Maß misst. Auch die wirtschaftlichen Strukturen, die historisch und in vielen Weltregionen bis heute ältere, wohlhabendere Männer zu attraktiven Partnern für Frauen machen, denen unabhängige wirtschaftliche Optionen fehlen, sind reale strukturelle Zwänge und keineswegs der reine Ausdruck einer frei gewählten Präferenz.

Zu den empirisch erheblich schwächeren Teilen der Kritik gehört hingegen die Behauptung, jeder nennenswerte Altersunterschied bedeute notwendigerweise ein Machtgefälle und sei damit zwangsläufig ethisch verwerflich, sowie die verwandte Behauptung, Frauen, die sich auf eine Beziehung mit großem Altersunterschied einlassen, übten definitionsgemäß keine echte Handlungsfähigkeit aus. Der empirische Befund umfasst nämlich Beziehungen mit großem Altersunterschied, die nach jedem vernünftigen Maßstab funktional, wechselseitig und gerecht sind, und er umfasst zugleich Beziehungen mit minimalem Altersunterschied, die von Zwang und Schaden geprägt sind, woraus folgt, dass der Altersunterschied ein Korrelat bestimmter Risikofaktoren ist und niemals eine Determinante der Beziehungsqualität. Die vorliegenden Untersuchungen zum Scheidungsrisiko weisen zwar in die Richtung, dass größere Altersunterschiede mit einer höheren Wahrscheinlichkeit des Scheiterns einhergehen, doch handelt es sich dabei um statistische Gegenwinde und nicht um unausweichliche Schicksale, und die genauen Prozentwerte, die in populären Darstellungen kursieren, halte ich für weniger belastbar, als sie dort erscheinen, weshalb ich sie hier bewusst nicht als harte Zahlen zitiere.

Wer alle Beziehungen mit großem Altersunterschied pauschal als inhärent ausbeuterisch verwirft, der tut letztlich genau dasselbe wie jener Verteidiger, der die evolutionären Belege als Freibrief missbraucht, nur eben in die entgegengesetzte Richtung, denn beide behandeln eine populationsweite statistische Tendenz so, als wäre sie eine verlässliche Aussage über jeden einzelnen konkreten Fall. Die Ethik einer bestimmten Beziehung hängt jedoch von den konkreten Bedingungen genau dieser Beziehung ab, also vom Grad der echten Wechselseitigkeit, von der realen Freiheit, die Beziehung wieder zu verlassen, vom Vorhandensein oder Fehlen wirtschaftlichen Zwangs und von den psychologischen Dynamiken zwischen den beteiligten Personen, und keine noch so eindrucksvolle Statistik kann diese Einzelfallprüfung jemals ersetzen.

Eine Notiz an den Leser, dem dieses Thema unbequem ist

Ich möchte an dieser Stelle offen anmerken, dass dieses Thema an beiden Enden des ideologischen Spektrums ein tiefes Unbehagen erzeugt, und dass dieses Unbehagen unter keinen Umständen ein zulässiger Grund ist, die vorliegende Evidenz in die eine oder die andere Richtung zu verzerren. Der Leser, der überzeugt ist, die Evolutionspsychologie sei nichts weiter als eine aufwendige Rationalisierung männlichen Fehlverhaltens, wird die kulturvergleichenden Daten zur Fruchtbarkeitspräferenz als unbequem empfinden und nach Gründen suchen, sie beiseitezuschieben. Der Leser hingegen, der überzeugt ist, evolutionäre Argumente würden die ethische Frage bereits abschließend beantworten, wird die Erörterung des strukturellen Zwangs und den gesamten forensischen Befund als unbequem empfinden und diese Teile am liebsten überblättern. Beide sitzen, bildlich gesprochen, gerade in derselben Pizzeria, blicken zum Nachbartisch hinüber, an dem ein sichtbarer Altersunterschied Platz genommen hat, und ziehen daraus Schlüsse, welche die Daten bei korrektem Verständnis in keiner der beiden Richtungen vollständig tragen.

Der Algorithmus ist real, und der Algorithmus rechtfertigt seine eigenen Ausgaben nicht in jedem beliebigen Kontext, und diese beiden Aussagen sind gleichzeitig wahr, und beide zugleich auszuhalten, ohne sie vorschnell in ein einziges vereinfachtes Urteil zusammenzupressen, ist genau jene analytische Anforderung, die dieses Thema an jeden ehrlichen Betrachter stellt. Wer diese Spannung nicht aushält, sondern sie durch das Kollabieren auf eine der beiden bequemen Seiten auflöst, hat das Thema nicht verstanden, sondern lediglich seine eigene Voreingenommenheit bestätigt.

Wo die Grenze verläuft, und warum sie unverrückbar ist

Nun komme ich zu jenem Teil, um dessentwillen ich die scharfe Trennung von Beginn an so sorgfältig gezogen habe, weil hier eine Grenze verläuft, die keine noch so tiefe evolutionäre Erklärung jemals aufweichen darf. Alles, was ich bis hierher beschrieben habe, bezieht sich auf die Anziehung zwischen erwachsenen Menschen, und der gesamte biologische Mechanismus ist auf die Marker reproduktiver Reife ausgerichtet, also auf jene Signale, die ein bereits geschlechtsreifer erwachsener Körper aussendet. Genau deshalb ist das sexuelle Interesse an präpubertären Kindern kein extremer Sonderfall desselben Mechanismus, sondern etwas kategorial anderes, denn dem kindlichen Körper fehlen exakt jene Marker, auf die der beschriebene Algorithmus überhaupt reagiert, weshalb die Pädophilie in der klinischen Wissenschaft nicht als Verstärkung einer normalen Präferenz gilt, sondern als eine qualitativ abweichende, pathologische Ausrichtung, die im DSM-5 und in der ICD-11 als eigenständige Störung klassifiziert ist. Die neuropsychiatrische Forschung, insbesondere die umfangreichen Arbeiten von James Cantor und seiner Arbeitsgruppe, hat bei pädophilen Männern messbare neurobiologische Auffälligkeiten dokumentiert, darunter eine signifikant reduzierte weiße Substanz im Gehirn, im statistischen Mittel niedrigere Intelligenzwerte sowie eine erhöhte Rate von Nicht-Rechtshändigkeit, was auf eine Störung der Hirnentwicklung mit pränatalem oder perinatalem Ursprung hindeutet.

Diese Befunde erklären, warum manche Menschen eine Grenze überschreiten, die für die überwältigende Mehrheit unverhandelbar ist, und warum manche dieser Menschen bereit sind, ein extremes Risiko einzugehen, das bis zur regelmäßigen Reise in ferne Länder reicht, weil sie sich dort in falscher Sicherheit wähnen und glauben, der Zugriff des Rechts ende an der Grenze ihres Heimatlandes. Diesen Personen sei mit der ganzen Autorität einer jahrzehntelangen forensischen Tätigkeit gesagt, dass sie sich gründlich irren, und ich will ihnen auch erklären, warum, weil die technische Realität heute eine andere ist als in den Jahren, in denen ich beschlagnahmte Festplatten noch Bild für Bild von Hand sichten musste. Bekanntes Missbrauchsmaterial wird längst über perzeptuelle Hashverfahren erkannt, deren bekanntestes, PhotoDNA, im Jahr 2009 von Microsoft Research gemeinsam mit dem Bildforensiker Hany Farid entwickelt wurde und das aus jedem Bild einen robusten digitalen Fingerabdruck erzeugt, der selbst dann noch anschlägt, wenn die Datei verkleinert, beschnitten oder umgefärbt wurde, und der sich mit den Millionen mehrfach geprüfter Signaturen abgleicht, die in den Datenbanken der Meldestellen hinterlegt sind. Was der Hashabgleich prinzipbedingt nicht leisten kann, nämlich neues, noch nie gesehenes Material zu erkennen, übernehmen inzwischen maschinelle Klassifikatoren, die auf riesigen Datenmengen trainiert wurden und die auch bislang unbekannte Aufnahmen mit hoher Trefferquote als verdächtig markieren, woraufhin ein Mensch sie bestätigt. Mit diesen Werkzeugen, und mit der internationalen Vernetzung der Ermittlungsbehörden, die auf denselben Datenbanken aufsetzt, finden wir euch, unabhängig davon, in welchem Land ihr euch in Sicherheit zu bringen versucht habt, und die Wahrscheinlichkeit, unentdeckt zu bleiben, sinkt mit jedem Jahr, in dem diese Systeme besser werden. Das deutsche Strafrecht verfolgt solche Taten nach dem Weltrechtsprinzip auch dann, wenn sie im Ausland begangen wurden und der Täter Deutscher ist, ganz ohne das sonst übliche Erfordernis der beiderseitigen Strafbarkeit, und das amerikanische Recht sieht für die Reise zu solchen Zwecken und für die Tat selbst Freiheitsstrafen von bis zu dreißig Jahren vor, unabhängig davon, ob die Handlung im Reiseland legal gewesen wäre. Das Ausmaß dieses Verbrechens ist erschütternd, denn allein die amerikanische Meldestelle NCMEC registrierte im Jahr 2023 mehr als 36 Millionen Hinweise auf sexuelle Ausbeutung von Kindern mit über 100 Millionen einzelnen Dateien, wobei über 90 Prozent der hochgeladenen Inhalte von außerhalb der Vereinigten Staaten stammten. Eine gemeinsame Untersuchung von INTERPOL und ECPAT International aus dem Jahr 2018 wertete zu genau diesem Zweck die Metadaten von mehr als einer Million solcher Mediendateien aus und analysierte 800 Serien davon visuell, mit einem Befund, der die kalte Statistik in menschliche Grausamkeit zurückübersetzt, denn 84 Prozent dieser 800 Serien enthielten schweren sexuellen Missbrauch, und mehr als 60 Prozent der nicht identifizierten Opfer waren präpubertär, Säuglinge und Kleinkinder ausdrücklich eingeschlossen.

Ich schneide an dieser Stelle etwas an, das ich in diesem Rahmen weder ausbreiten will noch ausbreiten kann, weil es eine eigene und sehr viel härtere Betrachtung verlangt. In den Fällen, die über meinen Tisch gingen, waren die Täter fast ausnahmslos Männer, und sie entsprachen, anders als es das Klischee vom einsamen Fremden nahelegt, meist dem Bild des Bekannten aus dem unmittelbaren Umfeld des Kindes, oft verheiratet, weil die bürgerliche Fassade aus Ehe und Beruf Teil der Tarnung ist und nicht ihr Widerspruch. Das inkriminierte Material, also jene Daten, die den Gegenstand des strafrechtlichen Vorwurfs bilden und die ich zu sichten und zu kategorisieren hatte, zeigte in meinem Fallmaterial überwiegend kleine Jungen und nicht, wie viele Menschen reflexhaft annehmen, kleine Mädchen, was ich ausdrücklich als meine persönliche Fallrealität kennzeichne und nicht als Gesamtstatistik, denn diese weist über alle erfassten Fälle hinweg eher Mädchen als Opfer aus, während das gewaltintensivste Material überproportional Jungen betrifft und jener ausschließlich auf Kinder fixierte Tätertyp, der von allen am schwersten wiegt, gezielt die nicht verwandten Jungen sucht. Warum sich exakt diese Männer zu Jungen hingezogen fühlen, warum unter den Tätern so gut wie keine Frauen sind und warum so viele Jungen zu Opfern werden, sind Fragen, die ich hier nur stellen und bewusst nicht beantworten will, weil jede seriöse Antwort mehr Raum und mehr Härte braucht, als dieser Text sie tragen kann. Was mir in der Praxis außerdem auffiel, war ein Muster, das kein Zufall sein konnte, denn auffällig oft handelte es sich um Lehrer, um Geistliche, um Jugendbetreuer und um Trainer, also um Menschen, die sich einen Beruf im unmittelbaren Umkreis von Kindern gesucht hatten, und es braucht keine forensische Ausbildung, um zu erkennen, dass hier nicht der Beruf den Menschen zum Täter formte, sondern der Täter sich den Beruf nach dem Zugang zum Opfer aussuchte. Zu unterscheiden sind schließlich jene, die sich auf das bloße Betrachten beschränken, jene, die die Tat mit eigenen Händen begehen, und jene, die mit dieser Abartigkeit Geld verdienen, indem sie das dokumentierte Leid eines Kindes zur handelbaren Ware machen, und diese Kategorien wiegen rechtlich wie moralisch verschieden schwer, ohne dass eine von ihnen jemals leicht wöge.

Ich will an dieser Stelle differenzieren, weil die Differenzierung zur intellektuellen Ehrlichkeit gehört, ohne die Grenze im Geringsten zu verschieben. Ich finde es persönlich bedrückend, wenn ein Achtzehnjähriger vor Gericht steht, weil er eine dreizehnjährige Freundin hat, die möglicherweise reifer wirkt als eine Siebzehnjährige vor vierzig Jahren, und ich meine, dass ein Richter oder ein Staatsanwalt in einem solchen Fall sehr genau abwägen sollte, ob hier tatsächlich das volle Gewicht des Strafrechts fallen muss, oder ob nicht die Nähe des Alters und die Reife der beteiligten Personen eine andere, verhältnismäßigere Antwort verlangen, wie es der deutsche Gesetzgeber mit der Möglichkeit des Absehens von Strafe bei geringem Altersunterschied inzwischen selbst vorgesehen hat. Die genaue Höhe dieser Schwelle ist dabei nichts Naturgegebenes, sondern eine gesellschaftliche Setzung, die von Land zu Land unterschiedlich ausfällt, denn das Schutzalter liegt in Deutschland bei 14 Jahren, in den meisten europäischen Staaten zwischen 14 und 16 und in den Vereinigten Staaten je nach Bundesstaat zwischen 16 und 18 Jahren. Dass die Linie an geringfügig verschiedenen Stellen gezogen wird, ändert nicht das Geringste an ihrer Funktion, denn unterhalb dieser Linie endet jede Debatte, und genau darin, in der Errichtung einer klaren und mit allen Mitteln verteidigten Grenze, liegt die zivilisatorische Leistung, um die es mir geht. Was ich hingegen mit jeder Faser verabscheue, ist der organisierte Sextourismus in ferne Länder, bei dem erwachsene Männer die Armut und die Schutzlosigkeit von Kindern gezielt und mit voller Absicht ausnutzen, und zwischen diesen beiden Fällen liegt kein gradueller Übergang, sondern ein kategorialer Abgrund, den zu erkennen keine wissenschaftliche Ausbildung erfordert, sondern lediglich ein funktionierendes Gewissen.

Der Algorithmus ist älter als der Homo sapiens, das Gewissen ist jünger

Es gibt einige wenige Dinge, die uns die Wissenschaft der Altersunterschied-Anziehung mit vernünftiger Sicherheit sagt, und ich will sie zum Schluss noch einmal so klar benennen, dass kein Raum für das bequeme Missverständnis bleibt, das dieses Thema so zuverlässig begleitet. Die Präferenz älterer Männer für jüngere Frauen ist kulturübergreifend dokumentiert, sie ist neurobiologisch verankert, und sie lässt sich nicht auf bloße gesellschaftliche Konditionierung reduzieren, weil sie in Kulturen auftritt, die miteinander kaum etwas gemein haben. Die konkrete Größe dieser Präferenz in einer gegebenen Gesellschaft wird zugleich erheblich davon bestimmt, wie viel wirtschaftliche Unabhängigkeit die Frauen dieser Gesellschaft besitzen, woraus folgt, dass die evolutionäre Tendenz zwar real ist, ihr Ausdruck aber keineswegs biologisch fixiert bleibt, sondern sich mit den sozialen Bedingungen wandelt. Die biologische Erklärung einer Präferenz ist niemals eine rechtliche oder moralische Verteidigung dafür, dieser Präferenz auf eine Weise nachzugeben, die Schaden anrichtet oder Zwang beinhaltet, und dieser Satz ist kein komplizierter philosophischer Kunstgriff, sondern eine schlichte Selbstverständlichkeit, die man nur deshalb aussprechen muss, weil sie so oft absichtsvoll übergangen wird.

Der frühe Homo sapiens hat in seiner kleinen Menschengruppe, so meine persönliche und ausdrücklich als reine Spekulation gekennzeichnete Vermutung, die ich durch keine Quelle belegen kann und auch nicht belegen will, möglicherweise andere Maßstäbe an das Alter eines fortpflanzungsfähigen Individuums angelegt, als wir sie heute kennen, und diese Vermutung ändert nicht das Geringste an der Bewertung der Gegenwart, sondern beschreibt lediglich, wie weit der Weg war, den unsere Zivilisation zurückgelegt hat. Denn selbst wenn ein solches Verhalten in grauer Vorzeit ohne den Begriff des Unrechts existiert haben sollte, so ist genau die Erfindung dieses Begriffs, die Errichtung gesellschaftlicher und gesetzlicher Grenzen um den Schutz des Kindes herum, die eigentliche zivilisatorische Leistung, hinter die zurückzufallen niemandem erlaubt ist, der sich auf die Natur beruft. Gerade deshalb ist es ein Segen und keine Selbstverständlichkeit, dass wir heute über gesellschaftliche und über gesetzliche Regeln verfügen, die dem rohen Antrieb eine Grenze setzen, und genau an dieser Grenze scheidet sich das Erklären von der Entschuldigung mit einer Endgültigkeit, die keinen Kompromiss zulässt. Denn wer ein Kind sexuell missbraucht, der vergewaltigt ein Kind, und dieser Vorgang ist unabhängig von jeder Gesetzeslage in jedem Land der Erde ein Verbrechen an einem wehrlosen Menschen, das nicht nur eine rechtliche Grenze überschreitet, sondern dem Kind eine Wunde zufügt, die es sein ganzes Leben lang mit sich tragen wird, in genau jenem Winkel des Bewusstseins, der sich, wie ich aus meiner eigenen beruflichen Erfahrung nur zu gut weiß, nie wieder ganz schließt. Über dieses Verbrechen, das in vielen Ländern zusätzlich eine strafbare Handlung darstellt und das aufgrund verschiedener gesellschaftlicher Umstände leider auch in Europa immer häufiger vorkommt, werde ich in einem eigenen Beitrag schreiben, der so ehrlich und so detailliert ausfallen wird, dass seine Lektüre schwer zu ertragen sein wird, weil dieses Thema die gesonderte und ungeschminkte Betrachtung verdient, die es in diesem Rahmen nicht erhalten kann.

Der evolutionäre Algorithmus, der die männliche Aufmerksamkeit auf die Jugend lenkt, ist älter als der Homo sapiens selbst, und er wird durch diesen Beitrag ganz gewiss nicht revidiert werden, weil er sich einer Revision durch Argumente vollständig entzieht. Was sich hingegen sehr wohl revidieren lässt, ist die Qualität des Gesprächs, das wir über ihn führen, und diese Qualität hängt einzig und allein an der Bereitschaft, darauf zu bestehen, dass das Erklären einer Tendenz und das Entschuldigen ihres Missbrauchs zwei vollständig verschiedene intellektuelle Operationen sind, deren Verwechslung weder der Wahrheit dient noch jenen Menschen, die durch genau diese Verwechslung am ehesten zu Schaden kommen.

Der angekündigte Folgebeitrag wird der härteste sein, den ich je geschrieben habe, so ehrlich und so detailliert, dass seine Lektüre eine Zumutung wird, und er erscheint erst nach meinem Buch mit dem Titel „Das Hamsterrad”. Wer unabhängig forscht und schreibt, kennt die schlichte Wahrheit dahinter, denn ernsthafte Arbeit an einem solchen Thema braucht ein Fundament, das sich nicht von selbst finanziert, und dieses Buch ist der Weg, dieses Fundament zu schaffen.

Quellen

  • Ausubel, J., Kramer, S., Shi, A.F., & Hackett, C. (2022). Measuring age differences among different-sex couples: Across religions and 130 countries, men are older than their female partners. Population Studies, 76(3), 465 bis 476. https://doi.org/10.1080/00324728.2022.2094452
  • Buss, D.M. (1989). Sex differences in human mate preferences: Evolutionary hypotheses tested in 37 cultures. Behavioral and Brain Sciences, 12(1), 1 bis 49. https://doi.org/10.1017/S0140525X00023992
  • Buss, D.M., & Schmitt, D.P. (1993). Sexual strategies theory: An evolutionary perspective on human mating. Psychological Review, 100(2), 204 bis 232. https://doi.org/10.1037/0033-295X.100.2.204
  • Cantor, J.M., Kabani, N., Christensen, B.K., Zipursky, R.B., Barbaree, H.E., Dickey, R., Klassen, P.E., Mikulis, D.J., Kuban, M.E., Blak, T., Richards, B.A., Hanratty, M.K., & Blanchard, R. (2008). Cerebral white matter deficiencies in pedophilic men. Journal of Psychiatric Research, 42(3), 167 bis 183. https://doi.org/10.1016/j.jpsychires.2007.10.013
  • Casey, B.J., Jones, R.M., & Hare, T.A. (2008). The adolescent brain: Self-control and social decision-making in adolescence versus adulthood. Annals of the New York Academy of Sciences, 1124(1), 111 bis 126. https://doi.org/10.1196/annals.1440.010
  • Eagly, A.H., & Wood, W. (1999). The origins of sex differences in human behavior: Evolved dispositions versus social roles. American Psychologist, 54(6), 408 bis 423. https://doi.org/10.1037/0003-066X.54.6.408
  • ECPAT International, & INTERPOL. (2018). Towards a global indicator on unidentified victims in child sexual exploitation material: Technical report. ECPAT International.
  • Gottfried, J.A., Ševčíková, A., Blinka, L., & Lambert South, A. (2024). Couples age discrepancies in a large-scale European sample: Evolutionary and sociocultural perspectives. Personal Relationships, 31(4), 987 bis 1000. https://doi.org/10.1111/pere.12579
  • Greenberg, J., Pyszczynski, T., & Solomon, S. (1986). The causes and consequences of a need for self-esteem: A terror management theory. In R.F. Baumeister (Hrsg.), Public Self and Private Self (S. 189 bis 212). Springer. https://doi.org/10.1007/978-1-4613-9564-5_10
  • Hajnal, J. (1965). European marriage patterns in perspective. In D.V. Glass & D.E.C. Eversley (Hrsg.), Population in History: Essays in Historical Demography (S. 101 bis 143). Edward Arnold.
  • Herlihy, D., & Klapisch-Zuber, C. (1985). Tuscans and their families: A study of the Florentine catasto of 1427. Yale University Press.
  • Kenrick, D.T., & Keefe, R.C. (1992). Age preferences in mates reflect sex differences in human reproductive strategies. Behavioral and Brain Sciences, 15(1), 75 bis 91. https://doi.org/10.1017/S0140525X00067595
  • National Center for Missing & Exploited Children. (2024). CyberTipline 2023 report. NCMEC.
  • Nickerson, R.S. (1998). Confirmation bias: A ubiquitous phenomenon in many guises. Review of General Psychology, 2(2), 175 bis 220. https://doi.org/10.1037/1089-2680.2.2.175
  • Roney, J.R., Mahler, S.V., & Maestripieri, D. (2003). Behavioral and hormonal responses of men to brief interactions with women. Evolution and Human Behavior, 24(6), 365 bis 375. https://doi.org/10.1016/S1090-5138(03)00053-9
  • Seto, M.C., Cantor, J.M., & Blanchard, R. (2006). Child pornography offenses are a valid diagnostic indicator of pedophilia. Journal of Abnormal Psychology, 115(3), 610 bis 615. https://doi.org/10.1037/0021-843X.115.3.610
  • Thorndike, E.L. (1920). A constant error in psychological ratings. Journal of Applied Psychology, 4(1), 25 bis 29. https://doi.org/10.1037/h0071663
  • Trivers, R.L. (1972). Parental investment and sexual selection. In B. Campbell (Hrsg.), Sexual Selection and the Descent of Man, 1871 bis 1971 (S. 136 bis 179). Aldine Publishing Company.
  • Zajonc, R.B. (1968). Attitudinal effects of mere exposure. Journal of Personality and Social Psychology, 9(2, Pt. 2), 1 bis 27. https://doi.org/10.1037/h0025848

Haftungsausschluss: Dieser Beitrag gibt die eigene Recherche und Meinung des Autors zum oben angegebenen Veröffentlichungsdatum wieder; spätere Erkenntnisse oder Rechtsänderungen können ihn überholt haben, prüfen Sie daher stets dieses Datum. Quellen sind zur unabhängigen Überprüfung angegeben, für fremde Studien wird keine Haftung übernommen. Dies ist allgemeine Information und keine medizinische, rechtliche oder fachliche Beratung: bei medizinischen Fragen wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt, bei rechtlichen Fragen an eine Anwältin oder einen Anwalt, und in einer akuten Krise an den Notruf oder eine Krisen- und Seelsorge-Hotline.

Vollständigen Haftungsausschluss lesen

Zum Titelbild: es ist KI-generiert. Billiger als ein Fotoshooting, und ich habe mich mit dem KI-Zeitalter arrangiert. Alles im Beitrag ist echt, die Diagramme, die Schädel, die Befunde und jedes Wort. Die Maschine bekommt das Aufmacherbild und keinen Zentimeter weiter.