Preisdesign

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Preisdesign

Die Differenzierung des Preises und des Wertes wird immer schwieriger zu beziffern, insbesondere im Bereich von Dienstleistungen und noch mehr im Bereich Design und Fotografie!

Alles wird im Überfluss angeboten, Hobbyakteure und Profis vermengen sich zunehmend, wobei Letztere wissen, dass auch ihre künstlerische Ader honoriert werden sollte – sie stehen für Individualität und Klasse statt Baukastenprinzipien und Masse! Um nicht zum Überlebenskünstler zu werden, müssen Wirkliche Designer und Fotografen kostendeckend fakturieren und als Selbstständige zahllose gesetzliche Regelungen beachten!

So gibt es beispielsweise keine allgemeine Regelung wie dies für Angestellte in Form von Tarifverträgen der Fall ist – derartige Absprachen sind nach dem Kartellgesetz verboten!
Selbstverständlich gibt es seitens diverser Verbände Vergütungsvorschläge, geschnürte Pakete, je nach Qualifikation. So zum Beispiel durch den Vergütungstarifvertrag Design der Allianz deutscher Designer (AGD). Sie empfiehlt einen Stundensatz von netto 90,- Euro (Stand: Oktober 2015), sofern der Designer über keine nennenswerten Qualifikationen verfügt! Davon kann ein Selbstständiger in der Großstadt und damit beim Kunden, nicht überleben!

Soll er auch nicht!

Ein solcher Pauschalstundensatz ist unter Kreativen verpönt und auch für den Kunden nicht befriedigend!

Sogar der Gesetzgeber hat durch das Urhebergesetz die Kreativität über die bloße Dienst- oder Werkleistung im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches erhoben, was auch seitens des Bundesgerichtshofes bestätigt worden ist! Ein kreativer Fotograf und Designer muss neben seiner kreativen Entfaltung auch Rechtsnormen und wirtschaftliche Effektivität und Effizienz im Blick behalten:

Er muss Eigen- und Fremdkosten einbeziehen, Material, Organisation und Kosten für sonstige Leistungen! Außerdem muss die Zeit, die er für die Entwicklung des Logos, Designs oder der Website aufgewandt hat entsprechend honoriert werden! Darüber hinaus muss die Schöpfung des kreativen Werkes, auch für die Zukunft, entsprechend monetär gewürdigt werden! Ähnlich einer Lizenz wird für die weitere Verwendung des Werkes ein bezahltes Nutzungsrecht mit veräußert.

Die Höhe bemisst sich nach der Art, Dauer, Umfang und dem Segment der Nutzung. In der Regel werden Grund- und Lizenzverträge durch umsatzbezogene Entgelte ergänzt, die sich an der Auflage einer Zeitschrift, Umsatz- oder Verkaufszahlen von Produkten orientieren. Das hat den Vorteil, dass auch mit geringerem Startkapital, aber dem Gespür und Sinn für Ästhetik, ein gerechter Ausgleich und eine zukunftsorientierte, vertrauensvolle und loyale Geschäftsbeziehung geschaffen werden kann! Auch hier muss der Kreative seine Rechts- und Wirtschaftskenntnisse wieder unter Beweis stellen- gemäß § 12 II Nr. 7c UStG gilt der ermäßigte Steuersatz von derzeit 7 %.

Sofern eine reine Dienstleistung erbracht und damit kein kreatives Werk geschaffen wird, kann diese für die Zukunft nicht im Sinne des Urhebergesetzes lizensiert werden.

Zur Vereinfachung und exemplarisch soll folgendes Beispiel dienen:

Ein Kunde eines deutschen, mittelständischen Unternehmens wünscht ein individuell erstelltes Piktogramm im Sinne eines kreativen Werkes nach dem Urhebergesetz. Die Nutzungsrechte sollen exklusiv bei dem Kunden liegen, zunächst auf fünf Jahre befristet, mit optionaler Fristverlängerung.

Das Piktogramm (LOGO) soll im Print und Online Verwendung finden, allerdings auf Fachportale und -medien begrenzt. In zeitlicher Hinsicht hat der Designer, tätig als selbstständiger Unternehmer in der Stadt mit eigenem Foto- und Designstudio, folgenden Zeitaufwand betrieben:

Etwa 10,5 Stunden für die Entwürfe, die Reinzeichnung am Rechner und die Bereitstellung des Ergebnisses auf einem Datenträger, in der Regel einem USB-Stick. Für die Präsentation beim Kunden, inklusive An- und Abfahrt mittels privaten Kfz fallen etwa zwei Stunden Zeitaufwand an.

An Material- und sonstigen Kosten sind diejenigen des Kuriers, der verwendeten, nicht rechnergestützten Entwurfs- und Büromaterialien, die des Sticks, einiger Telefonate und elektronisch versandter Korrekturabzüge angefallen. In vielerlei Hinsicht ist es heutzutage ratsam, Vorabrecherchen über neue Kunden zu betreiben-schon aus dem Grunde, sich gegenüber der Konkurrenz abzuheben, indem man den Stil oder die Handlungsweisen des Unternehmens und deren Führung kennt – Wissen ist Macht!

Wie bereits dargelegt beträgt der Basisstundensatz eines Designers 90,- Euro.

Zunächst gilt es die Nutzungsvergütung zu ermitteln. Dabei findet die Reinzeichnung keine Berücksichtigung.

Für den Entwurf wurden ca. 8 Stunden zu je 90,- Euro = 720,- Euro (netto) verwendet. Für die Ermittlung der Nutzungsvergütung werden Faktoren für die Art (Exklusives Nutzungsrecht-1,0), Dauer (5 Jahre-0,3), das Gebiet (Deutschland, wobei dies in Zeiten des Internets problematisch scheint-0,3) und den Umfang (Print und Internet, begrenzt auf Fachkreise-0,3) gebildet. Damit entsteht der Gesamtfaktor 1,9, der mit den Entwurfskosten in Höhe von 720,- Euro multipliziert wird. Dies führt zu einer Nutzungsvergütung in Höhe von 1.368,- Euro (netto).

Die Kosten für sonstige Leistungen betragen insgesamt 450,- Euro und setzen sich wie folgt zusammen:

Reinzeichnung, -abwicklung, Formatierungen, Datenübernahme und -übertragungen, Kundenkommunikation, Präsentation der Ergebnisse und dafür erforderliche An- und Abfahrt für einen Zeitaufwand von 5 Stunden zu je 90,- Euro= 450,- Euro. Für die eingesetzten Materialien und Fahrtkosten (pro Km) werden Pauschalen angesetzt, die Kosten des Kuriers und des Sticks in der Regel “durchgereicht” und müssen mit ca. 132,- Euro bemessen werden. Die Fakturierung erfolgt durch Addition der benannten Posten und die Rechnung beträgt damit 2.670,- Euro zzgl. Der gesetzlichen Mehrwertsteuer in ihrer aktuellen Höhe.

Auch, wenn Sie den Betrag im Ergebnis als hoch empfinden. Wie Sie sehen können, was an Hand der detaillierten Offenlegung auch möglich und nachvollziehbar ist, sind die einzelnen Posten nicht hoch oder gar zu hoch angesetzt. Durch die künftige, exklusive Nutzung entsteht Ihrer Firma ein Mehrwert, der auch in der Wertschätzung des Künstlers monetäre Berücksichtigung finden sollte.

Im Falle eines Verstoßes gegen das Urheberrechtsgesetz § UrhG

Findet das Logo bzw. jede andere Urheberrechtlich geschützte Leistung dann widerrechtlich Verwendung, ist dies nicht nur eine Straftat (Antragsdelikt). Nein, es stehen auch nennenswerte Ersatzansprüche im Raum. Diese werden vom Richter jedoch oft im Rahmen eines Vergleiches derartig niedrig gehalten, dass ich mir oft die Frage stelle, wie kann und darf das sein?

Vor kurzem war ich in einem Fall involviert, da bot der Richter 500.- EURO in einem 80/20 Vergleich. Gefordert wurden 2500.- EUR die meiner Meinung nach auch völlig gerechtfertigt waren. Das Logo fand bereits mehrere Jahre Verwendung.

Grundsätzlich kann bei einer Urheberrechtsverletzung der Geschädigte nach § 97 Abs. 2 S. 1-3 UrhG den ihm entstandenen Schaden auf dreifache Weise berechnen:

Neben dem Ersatz des konkret entstandenen Schadens einschließlich des entgangenen Gewinns sowie der Herausgabe des vom Schädiger erzielten Verletzergewinns, kann er die Grundsätze der Lizenzanalogie anwenden. Danach hat der Verletzer dasjenige zu zahlen, was vernünftige Parteien bei Abschluss eines Lizenzvertrages in Kenntnis der wahren Rechtslage und der Umstände des konkreten Einzelfalles als angemessene Lizenzgebühr vereinbart hätten, also mit den einzuräumenden Nutzungsrechten für sämtlich genutzte Plattformen in der jeweilig genutzten Auflage. Des Weiteren sind in der Regel Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 10.04.2011 zu zahlen.

In diesem und im Sinne des Urhebergesetzes freue ich mich auf eine gute und kreative Zusammenarbeit!

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