Der gute Ton

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Der gute Ton

Die meisten kennen wahrscheinlich die einschlägigen und zahlreichen Gerichts-TV-Sendungen. Dort geht es regelmäßig rund und zur Sache! Ton und Kleidungsstil sind salopp und der Lärmpegel hoch. Würde diese Praxis der Realität entsprechen, würde sich Justitia die Augen nicht zur vorurteilsfreien Rechtsfindung verbinden, sondern um das Grauen nicht mitansehen zu müssen.


Zur Wahrung der Funktionsfähigkeit ist es erforderlich, dass ein Gericht eine Stätte der Würde, Ordnung und des Respekts ist. Aus diesem Grunde obliegt dem Gerichtspräsidenten das Hausrecht, deren Ausgestaltung sich gewohnheitsrechtlich fortentwickelt hat.

Was hat das mit IT zu tun, fragen Sie sich?

Nichts! Aber mit meiner Tätigkeit als Sachverständiger. Sollte es nicht möglich sein, sich außergerichtlich zu einigen oder einmal zu einem Strafprozess kommen, ist es durchaus vorteilhaft, nicht nur in der Sache vorbereitet zu sein. Auch im Übrigen schadet es nicht, das kleine 1×1 der gerichtlichen Umgangsformen zu kennen.

Das Einzige, was Realität und Fernsehsendungen gemein ist, sind die Roben, die sowohl die Anwälte, Staatsanwaltschaft und die Richter tragen. Letzterer sollte mit „Herr Vorsitzender“, „Herr Richter“, oder „hohes Gericht“ angesprochen werden. Sofern Sie eine direkte, namentliche Ansprache des Richters bevorzugen, sollten Sie einen eventuell vorhandenen Doktortitel nicht ignorieren!

Vor dem Amtsgericht in Zivilsachen sind weder die Robe, noch der in Bayern übliche weiße Binder zwingend. Auf Grund der gewohnheitsrechtlichen Praxis kann das hohe Gericht dies als mangelnde Achtung auslegen und den Prozess vertagen.
Sofern alle Prozessbeteiligten am Ort der Gerichtsbarkeit wohnhaft sind mag dies ein Ärgernis darstellen – Folgenreich hingegen, wenn eine Anreise einer oder mehrerer Parteien, Zeugen oder Sachverständigen erforderlich ist und diese überflüssig war und wiederholt werden muss!

Die Wahl der Kleidung ist nicht nur für die Organe der Rechtspflege von Bedeutung. Auch Prozessbeteiligte, Parteien, Zeugen, Sachverständige oder bloße Prozessbeobachter sollten sich den Umständen entsprechend kleiden. Wobei sich diesbezügliche Ansichten natürlich ändern und liberalisieren. Ein Rauswurf erfolgt heute nur noch bei sehr groben Entgleisungen. Es ist aber auch ein Stilfrage, sich dem Anlass entsprechend zu kleiden. Natürlich hat der Richter sich in der Regel mit weiteren Themen zu befassen, die die Autorität des hohen Gerichts zu beeinträchtigen geeignet sind oder deren Funktionalität verhindern.

Die Entscheidung, ob eine einfache Rüge oder eine Maßnahme nach den §§ 175 ff GVG seitens des Vorsitzenden oder Gerichts erforderlich ist, bleibt diesen überlassen.

Es können Ordnungsgelder verhängt oder ersatzweise Ordnungshaft angeordnet werden!

Dies ist beispielsweise möglich, wenn das Zeugnis widerrechtlich verweigert wird, Prozessbeteiligte unentschuldigt fernbleiben, nicht vernehmungsfähig erscheinen oder die Funktionalität durch anhaltende Zwischenrufe, Handgreiflichkeiten oder ähnliche beeinträchtigende Handlungen gestört wird. Das Fernbleiben bei Gericht muss nach ordnungsgemäßer Ladung schriftlich ausreichend begründet und entschuldigt werden. Das sollten Sie unbedingt bedenken! Schlimmstenfalls werden Sie zwangsweise vorgeführt!

Wie immer und überall gilt: Der Ton macht die Musik…

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